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Körpererinnerungen

Der Körper erinnert sich – an Schönes und Erschreckendes
Über den respektvollen Umgang mit Körpersignalen

Autorin:
Regine Land
Dipl. Sozialarbeiterin,
Praxis für Psychotherapie

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 41
mit dem Thema: ""Räume der Erinnerung"

Der Körper erinnert sich an Schönes und Erschreckendes, an erlernte Bewegungs- und Verhaltensmuster, an Situationen und Zusammenhänge. Er drückt das Erinnerte über Haltungen, über Mimik und Gestik aus. Jede Emotion wirkt auf die Körperhaltung, jede Haltungsänderung beeinflusst die Stimmung und die Kommunikation.

Praxisbegegnung: Melanie W. kommt erstmals in die Praxis von Beate S. Sie hat viele Erfahrungen mit Ärzt/innen und medizinischen Behandlungen. Bei einer Heilpraktikerin war sie noch nie, weiß nicht, was sie hier erwartet.
Mit dem Betreten des Behandlungsraumes laufen parallel verschiedene Reaktionen ab. M. ist gewohnt, ihre Unsicherheit hinter großer Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft zu verbergen. Von klein auf hat sie gelernt, dass es damit weniger Schwierigkeiten und Konflikte gibt. Außerdem verachtet sie sich selbst für ihre Ängstlichkeit. Schließlich ist sie ja freiwillig hier. Sie nimmt sich zusammen! Bei dieser ersten Begegnung lächelt sie oft, nickt zustimmend, stellt die Fragen, die sie sich vorher überlegt hat. Um diese Haltung aufrecht zu erhalten, spannt sie ihre Rückenmuskulatur an, neigt den Kopf und kontrolliert ihren Gesichtsausdruck. Die Atmung ist relativ flach, das Zwerchfell angespannt, um die unangenehmen Emotionen unten zu halten.

Neben der freundlich-ratsuchenden Seite laufen gleichzeitig über den Körper noch vielen andere Reaktionen auf die Situation ab. Innerhalb von Sekunden werden über Augen, Ohren, Geruchssinn viele Informationen und Reize aufgenommen, die in der Regel nicht bewusst wahrgenommen werden. Die Umgebung wird auf Bekanntes und Neues gescannt und mit ähnlichen Situationen und Erfahrungen verknüpft. Da es etliche schwierige und auch peinliche Arzt/Ärztin-Patientin-Momente in M.s Leben gab, verstärkt sich das Angstgefühl.
Der Körper erinnert sich. Der Druck im Bauch wird stärker. Allerdings wird dies als eine der Situation angemessene, früh erlernte Schutzreaktion nicht bewusst wahrgenommen und deswegen auch nicht kommuniziert.
Aber nicht nur die Patientin ist diesen wechselseitigen Reaktionen auf Umweltreize, Körpersignale, Emotionen und Gedanken ausgesetzt.
Selbstverständlich laufen auch in Beate S. eine Vielzahl Reaktionen ab. Auch sie erlebt jedes Mal bei einem Erstkontakt eine leichte Anspannung. Sie kennt ihren Leistungsdruck, sich gerade bei neuen Patientinnen besonders einfühlsam und kompetent zeigen zu wollen. Sie liebt ihre Arbeit, hat hohe Erwartungen an sich, darf keine Fehler machen, keine Informationen übersehen. An diesem Tag hat sie leichte Kopfschmerzen und weiß, dass sie sich dann ganz besonders konzentrieren muss. Mit dem Gedanken, dass gerade das Erstgespräch so bedeutsam für den gesamten Behandlungsverlauf ist, nimmt ihre Spannung zu. Sie spannt die Kiefer- und Halsmuskulatur an, eine steile Falte zwischen den Augenbrauen entsteht.
B. hat gelernt, solche Körpersignale wahrzunehmen und versucht nun bewusst über die Atmung, die Spannung zu lösen, wieder ein wenig loszulassen. Das gelingt aber bei gleichzeitigem Anspruch auf höchste Konzentration kaum. Ihr Körper erinnert sich an viele Gespräche – auch private – in denen sie in diesem Zustand von hoher Anspannung und wohlwollender Aufmerksamkeit für ihr Gegenüber war. Eine vertraute Körper- und Geisteshaltung stellt sich ein.

Beide Frauen begegnen sich mit einer Mischung aus unterschiedlichen Körperwahrnehmungen und -erinnerungen, die den Kontakt mitgestalten, ohne dass bisher ein Wort gesprochen wurde. Im weiteren Verlauf kommen die Reaktionen auf das Äußere des Gegenübers, den Klang der Stimme, die Art des Händedrucks, den Blickkontakt, die jeweilige Sitz- und Körperhaltung und den Geruch hinzu. (Anmerkung: Neueste Forschungen haben ergeben, dass gerade der Geruchssinn besonders bestimmend für die menschlichen Kontakte ist, wobei allerdings nur ein sehr geringer Teil dieser Information den Cortex erreicht.) Ein Großteil der Kommunikation hat also bereits nonverbal stattgefunden.

Erfahrungen formen die Persönlichkeit
Jede neue Erfahrung knüpft an Vertrautes an. Wie in unserem Praxisbeispiel: Beim Betreten eines Behandlungsraums werden die Erfahrungen, die in ähnlichen Räumen gemacht wurden, aktiviert und körperlich mit einer entsprechenden Haltung beantwortet.
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Körpersignale in der Praxisarbeit
Welche Bedeutung hat dieses Wissen um Körpersignale nun für die Praxisarbeit der Heilpraktikerin? Nützt es ihr, sich diese Wahrnehmung bewusst zu machen oder lenken sie nicht sogar von den Inhalten der geschilderten Krankheitsverläufe ab?
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Wie kann die HP diesen Prozess bei sich und der Klientin unterstützen?
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Die innere Beobachterin
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Bewegung ist Veränderung
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(Ende der Leseprobe)

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