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Homöopathische Begleitung bei Krebserkrankungen

Ein Spagat zwischen den alten Meistern und den frauenorientierten Ansätzen heute

Autorin:
Gudrun Barwig
Heilpraktikerin (HP)

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 40
mit dem Thema: "Frauenspezifische Krebserkrankungen / Lymphsystem"

Als klassisch arbeitende Homöopathin beziehe ich mich bei der Behandlung von Krebs auf die älteste Literatur in der Homöopathie und damit auf die „alten Meister“. Sie hatten die Möglichkeit in einem Zeitalter „vor Chemotherapie und Bestrahlung“ unverfälschte Krebsfälle zu behandeln und entsprechende Heilmittel zu dokumentieren, an denen ich mich heute gut orientieren kann. Als Behandlerin mit frauenorientiertem Ansatz stellt es jedoch einen Spagat dar, zwischen der alten patriarchalen Welt und unserem heutigen Verständnis von Heilung zu vermitteln.

Ich werde hier den theoretischen Hintergrund der Krebsbehandlung aufzeigen, so wie er von JAMES COMPTON BURNETT (1840-1901), JOHN HENRY CLARKE (1853-1931) und EMIL SCHLAGEL (1852-1934) praktiziert wurde. Je nachdem auf welche Schule ich mich beziehe, bietet die Homöopathie verschiedene Ebenen der Krebsbehandlung. Immer abhängig davon, mit welchen Voraussetzungen und Wünschen die Patientin kommt, kann ich spezifisch ansetzen.

Die frauenstärkende Haltung
Der wichtigste Ausgangspunkt, in dem sich mein Behandeln von dem der alten Meister unterscheidet: Ich höre genau hin, was die Frau an Behandlung wünscht und ich unterstütze sie auf ihrem Weg – möglichst ohne Wertung, ohne Schuldzuweisungen, ohne ein „richtig“ und ein „falsch“. Ich bin nicht die heroische Homöopathin, die alle anderen Methoden diffamiert. Und ich kann kein Heilversprechen geben. Das, was ich tun kann, ist: Die Frau in ihrer eigenverantwortlichen Haltung zu stärken und zu unterstützen und ihren Heilweg zu respektieren. Wo ich kann, gehe ich den Weg mit. Für die anderen Wege schlage ich geeignetere Unterstützer/innen vor. Das heißt: auch meine eigenen Grenzen bleiben gewahrt.
Der eigene Heilweg kann immer in beide Richtungen gehen: ins Leben und ins Sterben. Hier eine wertfreie Haltung zu finden – auch mit der Patientin an dieser zu arbeiten – stellt oftmals die eigenen Ansprüche und Wünsche sehr in Frage. Zumal das Sterben in unserer Kultur stark mit Ängsten und Verunsicherung besetzt ist. Speziell in der Krebsbegleitung ist die Stigmatisierung: „Krebsdiagnose = Todesurteil“ zusätzlich immer präsent. So steht bei einer Krebserkrankung an erster Stelle die Prozessbegleitung. Es geht nicht vordergründig darum, Symptome weg zu therapieren, sondern darum den Energiefluss wieder herzustellen, die eigenen Lebensthemen zu bearbeiten und heilen zu lassen. Auch dann, wenn der Heilprozess im Sterben mündet.

Behandlungsauftrag
Nachdem der Behandlungsauftrag geklärt ist, kann ich entscheiden, mit welchem Modell der Behandlung ich beginne: Will die Patientin nur Unterstützung parallel zu Chemotherapie und / oder Bestrahlung, werde ich anders arbeiten, als bei einer, die sich ausschließlich für den homöopathischen Weg entscheidet. Bei einer Patientin, die in ihrer Lebenskraft schon sehr geschwächt ist, werde ich mich nochmals für eine andere Begleitung und Behandlung entscheiden.

Die verschiedenen Behandlungsebenen
[…]
• Konstitution […]
• Miasmatik […]
• Organotrop […]
Mammae / Brüste […]
Uterus / Gebärmutter […]
Ovarien / Eierstöcke […]
Cervix / Gebärmutterhals […]
Vulva + Vagina […]
• Ausleitung […]
• OP-Begleitung […]
• Substitution […]
• Palliation […]

Behandlungsverlauf
Eine Möglichkeit, den Heilungsverlauf genau zu beobachten, sind Verlaufsparameter: Die Patientin beurteilt täglich, wie sich Beschwerden und Befindlichkeit verändern und dokumentiert dies in einer Tabelle mithilfe eines Punktesystems von 0-10. Nach zwei Wochen wird gemeinschaftlich geprüft. Dieses Vorgehen kann hilfreich sein, die meisten Homöopathie-Kliniken und auch viele Kolleg/innen arbeiten so. Ich selber setze diese Form nur auf Wunsch der Patientin ein. Auch ich finde es grundsätzlich wichtig, die Patientin in ihrer Eigenwahrnehmung und Selbstfürsorge zu unterstützen. In der Hahnemann-Klink (Tübingen) wird das „Achtsamkeitstraining“ genannt. Tabellen an sich sind nicht wichtig, wenn wir kontinuierlichen Kontakt haben und die Frau sich selbst gut wahrnehmen kann.

Heilung
Es ist immer alles möglich. … Es gibt viele Wege. … Es gibt weder richtig noch falsch.

(Ende der Leseprobe)

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