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Die spirituelle Dimension des Heilens

Die Tradition der Weisen Frauen, eine weibliche Spiritualität Mitteleuropas

Autorin:
Ursa Illgen, Heilpraktikerin

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 39
mit dem Thema: "Indigene Heilweisen im Dialog"

Wenn ich früher zu meinem Hausarzt gegangen bin, der aus meiner damaligen Sicht ein netter älterer Mann war, hat er mich immer mit den Worten empfangen: „Na, wo fehlt es uns denn?“ Ich fand diese Begrüßung damals immer ziemlich albern und war oft drauf und dran zu sagen: „An der Gesundheit.“ Ich wollte von ihm hören, was ich habe, und nicht, was mir fehlt. Heute weiß ich, dass in diesem Satz sehr viel Weisheit steckt, auch wenn ich nicht unbedingt glaube, dass sich mein Hausarzt dessen bewusst war.
Wenn ich mit meinem Körper, meinen Emotionen, meinem Geist und meiner Seele in Harmonie lebe, dann fehlt mir nichts, dann bin ich ganz und heil, dann bin ich heil-ig.
Ich schreibe über die spirituelle Dimension des Heilens aus der Sicht der Tradition der Weisen Frauen. Im Umkreis von Stuttgart ist in den letzten 20 Jahren ein sehr lebendiger Kreis von Frauen herangewachsen, der sich ständig vergrößert und seinen Kristallisationspunkt im Arkuna Verein hat. In dieser Schwesternschaft leben wir die weibliche Spiritualität der Weisen Frauen, die in Mitteleuropa zu Hause war, bevor sie von den Machthabern des Christentums nahezu ausgelöscht wurde. Seit 14 Jahren bin ich Lehrerin und Priesterin dieser Tradition. In dieser Tätigkeit sehe ich mich als Heilerin.

Die Heiligkeit des Lebens ehren
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Im Einklang mit uns und der Welt sein
Die Tradition der Weisen Frauen ist auch ein Weg, um mit uns selbst, der Erde und der Welt in Einklang zu kommen. Alles Leben vollzieht sich in Rhythmen, die uns von den großen kosmischen Bewegungen der Sonne, des Mondes und der Sterne geschenkt werden. Wir stimmen uns auf diese Rhythmen ein und lassen uns von ihnen führen.
Die Rhythmen des Jahreskreises mit seinen Übergängen sind tiefe, universelle Bezugspunkte. In ihnen erleben wir Geburt, Wachstum, Reife, Altern, Tod und Wiedergeburt. Wir erkennen sie als Lehrmeisterinnen für die Übergänge in unserem persönlichen Leben an und gestalten unser Leben eingebunden und gehalten von den großen Zyklen der Natur. Indem wir den Jahreskreis mit regelmäßigen rituellen Festen mit vollziehen und feiern, lernen wir unsere rhythmische Kraft der Veränderung kennen.
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Die Göttin in mir erkennen
Die Tradition der Weisen Frauen ist eine Spiritualität, in deren Mittelpunkt die weibliche Schöpferinnenkraft steht, die sich in einer Vielzahl von Göttinnen widerspiegelt. So ist Serona eine Quell- und Wassergöttin und unterstützt unsere Emotionen, unsere Reinigung und unsere Heilung. Freya, eine feurige Göttin, fördert uns Frauen in unserer Kraft und Eigenmacht. Gaia, Mutter Erde, trägt und nährt uns und schenkt uns das Leben, die Schönheit und die materielle Fülle. Dies sind nur ein paar Beispiele aus der großen Anzahl der Göttinnen.
Letztlich ist jede einzelne Frau eine einzigartige Verkörperung der Göttin. Wenn ich in diesem Bewusstsein lebe, fühle ich mich heil und heilig. Dabei ist das Kriterium für heil sein nicht die Abwesenheit von Körpersymptomen. Ich kann auch mit Krankheit und Behinderung heil sein. In Offenheit und Vertrauen, in tiefem inneren Frieden erlebe ich mein Eins-Sein mit der Göttin in mir. Die Göttin ist mir nah, wenn ich mich meinen Sinnesfreuden hingebe, mich mit Schönheit umgebe, Freude und Lust erlebe, sie ist mir nah im Singen und Lachen und in der Liebe.
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Die weibliche Weltsicht ist uralt
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Konsequenzen für die Heilerin
Die Heilerin ist Mittlerin der göttlichen Kraft

Wie kann Heilung geschehen
Das Wort „heilen“ hat im Deutschen zwei Bedeutungen. Zum einen ist damit gemeint, dass ich gesund werde, wenn es mir an Ganzheit fehlt. Zum anderen meinen wir aber auch mit diesem Wort, dass eine Heilerin eine andere Person heilt. In dieser doppelten Wortbedeutung steckt noch das Wissen, dass ich keine andere Person heilen kann, sondern ihr lediglich helfen kann, ihre Selbstheilung in Gang zu setzen – und das ist nicht wenig.
In der Atmosphäre eines heiligen Raumes, der natürlich auch anders erschaffen werden kann, als ich es oben beschrieben habe, öffnet sich das Herz der Klientin recht leicht für die umfassende Wirklichkeit, in der Heilung stattfinden kann. Ihre Hoffnung auf Heilung wird gestärkt und ihre Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Durch diese beiden Faktoren kann sich die Wirkung einer Behandlung überhaupt erst richtig entfalten. Dies geschieht auch, ohne dass sich die Klientin dessen bewusst ist.
Für die Aktivierung der Selbstheilungskräfte ist es wichtig, nicht nur das Körpersymptom zu behandeln, sondern in einer ganzheitlichen Betrachtung den ganzen Mensch zu sehen, also Körper, Geist und Seele.
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Kraftquellen, die uns heilen
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Das Ritual als Kraftquelle
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Ausblick
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(Ende der Leseprobe)

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