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„Die Pflanzen sprechen mit uns“

Ein Interview über rationales und intuitives Pflanzenwissen

Das Interview führte:
Doris Strahler, Journalistin, Heilpraktikerin (HP)

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 38
mit dem Thema: "Heilpflanzen der Alpen"

Lüneburger Heide, Kleinwalsertal, Graubünden – einmal im Jahr trifft sich die Fachgruppe Phytotherapie zum intensiven Austausch. Dabei geht es nicht ausschließlich um Pflanzenbestimmung und therapeutische Wirkstoffe, sondern um ganz persönliche Begegnungen mit der Pflanzenwelt. Wie Pflanzen kommunizieren, darüber berichten die drei Heilpraktikerinnen und Pflanzenfachfrauen Sabine Ehrenfeld, die auf der Schwäbischen Alb lebt, Carmen Hertle und Manuela Wolf, die beide in Franken zu Hause sind.
2006 wart ihr in der Lüneburger Heide, 2007 im österreichischen Kleinwalsertal und 2008 in Graubünden in der Schweiz. Was trieb euch zweimal hintereinander in die Alpen?
[…]
Die Hütte im Kleinwalsertal lag auf 1.400 Höhenmetern, die Hütte in Graubünden auf über 2.000 Höhenmetern. Gibt es aufgrund der Höhenlage Unterschiede in der Pflanzenwelt?
[…]
Gibt es Gemeinsamkeiten, die allen Alpenpflanzen eigen sind?
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Euch geht es in der Pflanzenheilkunde nicht nur um die Anwendung von „Bücherwissen“, sondern auch darum, der lebendigen Pflanze zu begegnen. Wie sieht diese Begegnung aus?
Carmen: Mir ist die persönliche Begegnung mit den Pflanzen lieber als ein Buch. Ich gehe hinaus und schaue: Wo wächst die Pflanze, wie sieht ihre Umgebung aus, welche Pflanzen wachsen noch dort? Ich beobachte und versuche in eine persönliche Beziehung mit der Pflanze zu gehen. Ich bin überzeugt davon, dass eine direkte Kommunikation zwischen Mensch und Pflanze möglich ist. Die Pflanzen sprechen mit uns.
Natürlich fließt bei dieser Begegnung auch Bücherwissen mit ein. So ist es beispielsweise schon gut zu wissen, dass der Eisenhut einer unserer giftigsten Pflanzen ist. Man sollte ihn nicht einfach essen. Doch dann lasse ich dieses Wissen beiseite und öffne mich der Pflanze. Das kann man auf ganz verschiedene Arten tun. Manchmal zeichne ich einfach. Das erfordert viel Konzentration und eine genaue Beobachtung, darüber erschließt sich mir schon ganz viel über das Wesen einer Pflanze.
Und dann spreche ich auch mit den Pflanzen. Ich sage „Hallo, wer bist du?“. Ich stelle mir ein Wesen vor, das vor mir steht. Eine ganz normale Kommunikationssituation eben. Ich frage die Pflanze, und wenn ich mich auf sie einlasse, dann kommen auch Botschaften von ihr zu mir.
Manuela: Wir haben in den Alpen Hütten gewählt, wo wir unter uns waren. Wir waren also mehr oder weniger allein und um uns herum waren die Pflanzen. Wir hatten dadurch die Möglichkeit, die Pflanzen mit allen unseren Sinnen zu erfassen. Wir tranken sie als Tee, kochten mit ihnen, legten sie ein, wir machten unsere Morgenübungen in ihrer Mitte, in der Mittagspause lagen wir auf und neben ihnen. Wir waren nicht abgelenkt von anderen Eindrücken, die Zivilisation war weit weg. Der Zugang zu den Pflanzen war einfach da.
Und wir alle haben diese Begeisterung für die Pflanzen miteinander geteilt. Es war einfach schön. Du hast eine Pflanze gesehen und bist in den Busch gesprungen. Und gleich kamen drei hinterher. Und schon ging die Diskussion los: „Ach Gott, was ist denn das? Hast du das schon gesehen?“ Alle sprachen wild durcheinander. Wir waren sehr aufnahmefähig für die Pflanzenwelt um uns herum und haben dadurch auch Pflanzen gesehen, die sich unserem ersten Blick entzogen haben. Es war so, dass die Pflanzen uns angesprochen haben, dass sie auf uns zugekommen sind.
In Graubünden zum Beispiel wollten alle Bärlapp sehen, aber wir haben einfach keinen gefunden. Dann, am letzten Tag, bei einer total verregneten Wanderung, war er plötzlich da. Wahrscheinlich war er vorher auch schon da, bloß haben wir ihn nicht gesehen.
Carmen: Gut, dass du das sagst. Oft ist es so, dass, kaum ist der Wunsch nach einer bestimmten Pflanzenbegegnung mehrmals laut ausgesprochen, sie dann auch auftaucht. Mit ist das schon oft passiert. Du sendest den Wunsch in die Welt und dann – peng – erfüllt er sich. Das ist auch eine Art von Kommunikation zwischen Pflanze und Mensch. Ich glaube, dass man findet, was man finden will.
Gibt es bestimmte Techniken, mit denen ihr Pflanzen begegnet? Was habt ihr da ausprobiert?
Carmen: In der Lüneburger Heide haben wir eine Verreibung nach strengen homöopathischen Regeln gemacht. Alle mussten während der Verreibung im Raum bleiben, die Fenster waren geschlossen. Einige haben das nur schwer ausgehalten, das hat zu einer richtigen „Ausbruchsenergie“ geführt. Jede hat dann für sich ihre Wahrnehmungen aufgeschrieben: Gerüche, Wärme, Kühle, Unlustgefühle, gute Gefühle, innere Bilder. Im anschließenden Gespräch haben sich viele Übereinstimmungen gegeben. Das ist eine der klassischen Arten, sich einer Pflanze zu nähern.
Eine andere Möglichkeit sind Trance-Reisen mit Trommeln oder Rasseln, wo man sich mit bestimmten Schlagfolgen in einen Trance-Zustand versetzt. Dieser Zustand öffnet uns für unsere innere Wahrnehmung. In Graubünden haben wir – bei prasselndem Regen – eine Trance-Reise zur Alpenrose gemacht. Wenn man unsicher ist, kann man auf solch ritualisierte Formen wie Verreibungen oder Trance-Reisen zurückgreifen, man kann sich aber auch ganz einfach hinsetzen und schauen, was passiert.
Sabine: Ich gehe in eine Meditation hinein und verbinde mich mit dem Geist der Pflanze. In der Meditation spüre ich das Wesen der Pflanze. Das geschieht auf einer anderen Bewusstseinsebene. So zeigt sich mir ein Pflanze z.B. ganz klein, eine andere riesengroß, größer als ich. Ich stelle den Pflanzen auch Fragen: Warum seid ihr hier? Wie könnt ihr uns Menschen helfen. Darf ich dich pflücken? Und die Pflanzen antworten in Worten, in Bilder oder anderen sinnlichen Eindrücken. Es ist immer sehr direkt.
Manuela: Jede nimmt dabei anders wahr, setzt ihre Sinne anders ein. Die eine setzt sich einfach ganz unbefangen neben die Pflanze, und schaut, was die Pflanze ihr mitteilen will. Für andere ist es der richtige Weg, die Pflanze erst einmal genau zu bestimmen, zu wissen, was sitzt da vor mir, wie heißt sie, aus welcher Familie kommt sie. Und erst dann kann die Frau sich darauf einlassen, was ihr die Pflanze sagt. Andere wiederum lauschen, welche Töne aus der Pflanze kommen. Da hat jede ihren eigenen Weg.
Zur Wahrnehmung zählt für mich aber auch, was für eine Stimmung von einer Pflanze oder von einem Ort zurückbleibt. Im Kleinwalsertal waren wir richtig eingekreist von Augentrost, Augentrostwiesen, lauter leuchtenden winzigen Äuglein, die uns beobachtet haben. Das Kleinwalsertal wird für mich immer mit dem Augentrost verbunden sein.
Wie kommuniziert die Pflanze? Gibt sie euch Bilder oder innere Worte?
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Macht Ihr dabei auch Erfahrungen, auf welche Art die Pflanze helfen und heilen kann?
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Schließt ihr mit dieser Herangehensweise an bekannte Traditionen an?
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Zweimal war ich als Körpertherapeutin in den Alpen mit dabei und genoss die Bergwelt und das Pflanzenwissen meiner Mitreisenden. Immer steckte eine ihre Nase in eine Pflanze, auch wenn die Pflanze noch so klein und unscheinbar war – und schon ging die Diskussion los. Zwar kamen wir beim Wandern nicht so richtig vom Fleck, trotzdem vermisse ich bei meinen Wanderungen ohne die Pflanzenfachfrauen die Begeisterung und das tiefe Wissen um die Pflanzen.

 

(Ende der Leseprobe)

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