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Murex purpurea

Alles, was aus dem Meerwasser kommt, repräsentiert den Beginn

Autorin:
Sonja Höring, Heilpraktikerin

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 38
mit dem Thema: "Heilpflanzen der Alpen"

An einem Wochenende im September 2008 trafen sich 10 Lachesis-Mitfrauen in Bakenberg auf der Insel Rügen zum Fachgruppentreffen Homöopathie. Wir waren in kleinen, etwas muffigen Hütten direkt am Strand untergebracht. Ihr müsst euch eine Steilküste vorstellen, das Meer war schnell über Holztreppen zu erreichen, gut zu hören und Feuer haben wir abends in einem wackeligen Grill gemacht. Natürlich gab es Fisch zum Abendessen und die Winterjacken wärmten völlig unübertrieben.
So lauschten wir dem Vortrag von UTE BARTH über das Wasser unter freiem Himmel und waren zwar müde von der Anfahrt, gleichzeitig aber auch sehr fasziniert: Plötzlich tanzten zwei dick angezogene Frauen als Wassermolekül vor meinen Augen, um uns das Bindungsverhalten dieses Elementes zu veranschaulichen…
Wir hatten vorher verabredet, dass jede etwas vorbereitet und ich hatte mich für die Meeresschnecke Murex purpurea entschieden. Alles was ich noch wusste, waren diagonal verlaufende Schmerzen, und zwar von der Brust zum Eierstock, dass differenzialdiagnostisch an Sepia und Lilium tigrinum gedacht werden muss und ich es noch nie verschrieben habe. Also etwas recherchiert und ab nach Rügen.
Freitag Morgen organisierten wir die Arbeitsgruppen (wer welches Arzneimittel vorstellt), und so waren wir drei Frauen, die sich mit Murex beschäftigen und Samstag darüber referieren sollten.
Die Vorbereitungen waren laaangsaaam und eine von uns war so krank, dass sie außer im Bett liegen gar nichts mehr machen konnte (dies ist auch ein Murex-Symptom). Wir arbeiteten Freitag noch bis in die Nacht hinein und es schien immer mehr zu werden und wir hatten trotz aller Arbeit das Gefühl nicht die volle Leistung zu bringen. (Auch dies erscheint in der Literatur als typisches Merkmal und genauso erging es mir beim Schreiben des Artikels.)
[…]
In der LACHESIS-Ausgabe Nr. 36 zum Thema "Sexualität!" analysiert GUDRUN BARWIG in einem Artikel die frauenverachtende Sprache der alten Arzneimittellehren, kritisiert die Ansichten. Sie betont die Notwendigkeit einer Überarbeitung für die heutige Zeit im Sinne einer weiblichen d.h. Frauen wertschätzenden Materia medica.
Immer wieder habe ich mich geärgert über Formulierungen wie zum Beispiel: "Sie beklagen sich, weil sie ihre Sexualität gern mehr ausleben würden, aber im Grunde genommen entscheiden sie sich selbst dagegen. Das Verlangen ist stark, aber sie laufen weg davor." 4
Warum macht mir das solchen Ärger? Das greift mich total an, was ist da bei mir so unerlöst? Und dann ärgere ich mich über meinen Ärger und frage mich, ob da bei den v.a. männlichen Autoren etwas 'unerlöst' ist.
[…]
Es war ein wunderbares Wochenende auf Rügen und hat allen Teilnehmerinnen neue Erkenntnisse beschert. Ein solches Erlebnis ist ein Geschenk und ich möchte jede interessierte Frau ermutigen, sich auf diese Art miteinander zu lernen und zu forschen einzulassen und mitzumachen.
Abschließend gingen wir nochmal am Meer spazieren, dünner Regen prasselte uns ins Gesicht. Ich ließ die Ereignisse der letzten Tage Revue passieren und dachte: Sind wir nicht alle ein bisschen Murex?
Herzlichen Dank an Birgit Lehmann, ohne ihre Initiative wäre dieser Artikel nicht geschrieben worden.
 

(Ende der Leseprobe)

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