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Die Mistel - von der Zauberpflanze zum Arzneimittel

Autorin: Elisabeth Oelmaier, Heilpraktikerin

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 35
mit dem Thema: "Krebs"

SEIT DEM ALTERTUM IST DIE MISTEL BEKANNT ALS HEILPFLANZE UND ARZNEI UND SIE WURDE BEREITS BEI DEN KELTEN ALS HEILIGE PFLANZE VEREHRT.

Die Mistel wurde als besondere und geheimnisvolle Pflanze erlebt, weil sie so hoch oben in den Bäumen wächst und den Erdboden nie berührt. In ihr – so erlebten es die Kelten – wirken besondere Kräfte. Da sie vor Feuer schützen und böse Geister vertreiben könne, wurde sie an Hauswände gehängt. Die gegabelte Form der Zweige machte sie zum Vorbild für die Wünschelrute. Wir verwenden sie heute zur Weihnachtszeit, um uns Gesundheit, Wohlergehen und Fruchtbarkeit für das neue Jahr zu erwünschen.
Die Mistel galt als Helferin bei Erkrankungen wie Arteriosklerose, Hypertonie und Asthma. Später, in der Homöopathie, wurde sie bei Kopfweh, Migräne, Schwindel, Ohnmachtsneigung, Parästhesien, bei Symptomen aus dem rheumatisch-neuralgischen Formenkreis und wiederum Arteriosklerose, Hypertonie und Angina pectoris eingesetzt.
Rudolf Steiner schilderte 1920 die Mistel aus seiner geisteswissenschaftlichen Erkenntnis heraus im ersten Medizinerkurs, der die Anthroposophische Medizin begründete, erstmals als Arzneimittel für die Tumorerkrankung. Er gab Anregungen, die Mistel zweimal jährlich, im Sommer und im Winter zu ernten und dann in einem speziellen Herstellungsverfahren beide Ernten zu mischen. Wenn das Mistelpräparat so hergestellt werde und bereits bei Krebsdisposition eingesetzt werde, könne die Mistel das Auftreten von Tumorerkrankungen verhindern und das „Messer des Chirurgen“ ersetzen.
Die Pflanze
Die Mistel als Pflanze ist zweihäusig, das heißt, es gibt Pflanzen mit männlichen und Pflanzen mit weiblichen Blüten. Sie ist ein Halbschmarotzer, d.h. sie entnimmt ihrem Wirtsbaum Wasser und Nährsalze, zerstört ihn aber nicht. Sie ist nicht mit der Erde verwurzelt, sondern bildet eher im Luftigen, also im Geäst ihres Wirtsbaumes, einen so genannten „Senker“, den sie ins Kambium des Baumes buchstäblich „einsenkt“. Die Mistel hat eine sehr intensive Beziehung zum Licht, sie bildet besonders im lichtreichen Frühjahr mit ihrem Senker Chlorophyll bis in den Ast hinein und erhält einen großen Teil ihrer organischen Nährstoffe zusätzlich von ihrem Wirtsbaum.
Insgesamt gibt es über 60 Arten von Wirtsbäumen für die weißbeerige Mistel (Viscum album), 15 davon dienen den Misteln, die für die differenzierte Tumortherapie verwendet werden, als Wirtsbäume.
(…)
Die Inhaltsstoffe
Die Mistel enthält in den Blättern, also in der Peripherie, schwerpunktmäßig Viscotoxine, die in der chemischen Formel ähnlich dem Schlangengift der Kobra sind, d.h. Viscotoxin macht die Beere giftig. Der Gehalt an Viscotoxinen ist im Frühsommer, in der Sommerernte, am höchsten.
In den Stängeln, d.h. mehr im „Inneren“ der Mistel, befindet sich ein starker Anteil an Lektinen. Die Mistel hat den höchsten Gehalt an Lektinen von Januar bis März, d.h. in der Winterernte.
Neben vielen anderen Eiweißstoffen enthält die Mistel auch noch Glykoside, u.a. die Leim- und Schleimstoffe. Wer einmal eine Mistelbeere in der Hand hatte, weiß, wie klebrig sie sind. Früher wurde diese klebrige Substanz als Leim bzw. Klebstoff verwendet.
Die Wirkungen der Mistel
Krebskranke Menschen haben oft in ihrer Anamnese jahrelang kein Fieber mehr gehabt und schon gar nicht tägliche Temperaturschwankungen, das heißt, sie haben ein eher „rigides“ Temperatursystem. Die Mistel regt den Organismus an, wieder eine so genannte „circadiane Rhythmik“ der Temperaturkurve herzustellen, und eine geringfügige Steigerung der Körpertemperatur, gelegentlich bis hin zur Erzeugung von Fieber (besonders, wenn die Mistel intravenös verabreicht wird).
Diese Applikation ist jedoch nicht zugelassen, eine intravenöse Verabreichung geschieht immer in Verantwortung des Therapeuten/der Therapeutin.
Die Mistel bessert den Allgemeinzustand der Krebspatientin (Appetit- und Gewichtszunahme) und hemmt das maligne Wachstum ohne Beeinträchtigung gesunder Gewebe (!), sie wirkt mit ihren Lektinen zytotoxisch durch Apoptose (= selbstinduzierter Zelltod zum Wohle des Gesamtorganismus) und mit ihren Viscotoxinen zytotoxisch durch Nekrose.
Außerdem hat sie immunologische Wirkungen. Sie steigert die körpereigene Abwehr und reduziert die Infektanfälligkeit und wirkt rezidiv- und metastasenprofilaktisch.
Sie reduziert unerwünschte Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie durch eine DNA-Stabilisierung (Senkung der Schwesterchromatid-Austauschrate).
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(Ende der Leseprobe)

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