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Letstalkaboutsex

"Wortlos" - Sexuelle Kommunikation

Autorin:
Laura Méritt, Berlin
Linguistin, Mediatorin und Sexpertin, Autorin und Herausgeberin
promovierte über das Lachen der Frauen beim Reden über Sexualität
Betreiberin von "Sexclusivitäten" Berlin, dem ältesten sexuellen Dienstleistungs-Unternehmen von Frauen in Europa zahlreiche Artikel rund um Sexualität

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 36
zum Thema "Sexualität !"

Sex ist gut, gesund und macht glücklich, tönt es aus aller Medien Munde. Jede Zeitschrift und vor allem Frauenmagazine besorgen es uns, alle nur denkbaren Techniken und Positionen werden vorgeturnt. Den altgedienten Playboys und Penthouse-Männerblättern haben sie längst den Rang abgelaufen.
Die Werbung ist voll von Sex(-ismen), Musik voll von Porno-Rap, im Internet werden wir zugespritzt. Sprechen über Sex besteht hier auf der einen Seite in platten Auf- und Anforderungen, auf der anderen Seite (der "seriös-wissenschaftlichen") wird von einer neuen "Verhandlungsmoral" geredet. Die mediale wie reale Beziehungswirklichkeit sieht selten wie in "Sex in the city" aus, in der Frauen den ganzen Tag lang ungeniert über Sex reden. Der sexuelle Alltag kommt viel leiser daher und gebraucht nicht der vielen Worte ...

Den neuesten Umfragen zufolge haben 69% der Deutschen Hemmungen über Sex zu reden, und die Hälfte (vor allem aber Frauen) glaubt und die Hälfte glaubt - vor allem aber die Frauen, dass "drüber reden" die Romantik zerstört. Am ehesten wird über den Körper und hier mit der Hand signalisiert, was erwünscht ist. Frau bewegt oder rückt sich so zurecht, dass es passt oder zumindest besser anfühlt. Sie vertraut darauf, dass das Gegenüber die Zeichen versteht und entsprechend reagiert. Das fordert die volle Aufmerksamkeit beider und zieht Konzentration vom Verlangen ab, garantiert aber auch nicht unbedingt die erwünschte Befriedigung.
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So oder so kann die Lady stöhnen, lachen und Laute von sich geben, die auch nicht immer eindeutig zu interpretieren sind und der verbalen Erklärung bedürfen. Lautes Schreien, Weinen und Lachen kann außerdem enorm verunsichern, die Geliebten, die NachbarInnen, und manchmal eine selbst. Die Kommunikation näher anzuschauen und zu präzisieren lohnt sich, auch um sich selbst besser zu verstehen.
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Reden über und Reden beim Sex sind zwei Seiten derselben Medaille. Will frau nicht währenddessen das nahende Glück durch Worte zerkleinern oder hat sie "Dirty Talking" noch nicht drauf, kann sie nach dem Konzert Rückmeldung geben, was toll war und die PartnerIn darin unterstützen, was sie supergut gemacht hat. Dabei kann einfließen, was frau sich noch wünscht oder sich schon immer mal gewünscht hat.
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Sprechen über Sex ist stark davon abhängig, was gesellschaftlich als normal gilt, welche Praxis akzeptiert wird, welche Frequenz für "gesund" gehalten wird. Normen sind kulturell unterschiedlich und verändern sich im Laufe der Zeit. Dennoch sitzen gerade sexuelle Verbote aus der Vergangenheit tief unter der Haut, sind individuell auf der jeweiligen Sünden- oder Tabu-Festplatte abgespeichert. Auch wenn der allgemeine Tenor heißt: "Alles ist okay, wenn alle damit einverstanden sind!", ist der entscheidende Schritt in die offene und ehrliche Kommunikation mit sich selbst und dem Gegenüber erst einmal zu schaffen.
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(Ende der Leseprobe)

 

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