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Mit dem Wissen der Jahrtausende den Schmerz beweihräuchern...?

Indischer Weihrauch - wirkungsreiches Schmerztherapeutika

Autorin: Sybille Katharina Schobel, Wiesbaden, Heilpraktikerin
seit 2003 Praxis für Naturheilkunde und Heilkünstlerischer Salon in Wiesbaden Praxisschwerpunkte: Körperpsychotherapie (integrale leibarbeit), Sanfte Manuelle Therapie (SMT), naturheilkundliche Labordiagnostik und biomolekulare Medizin

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 34
zum Thema "Schmerz"

SEIT JAHRTAUSENDEN IST WEIHRAUCH HEILIGER WOHLGERUCH UND NATÜRLICHES HEILMITTEL GLEICHERMAßEN. SEIN RAUCH IST UNS VERTRAUT, DIE HEILKRAFT DER PFLANZE IST HEUTE WEIT WENIGER BEKANNT. DAS HARZ DER INDISCHEN ART (BOSWELLIA SERRATA) WIRKT NACHWEISLICH SCHMERZSTILLEND, DESINFIZIEREND UND ENTZÜNDUNGSHEMMEND, DABEI ENTSPANNEND UND NAHEZU NEBENWIRKUNGSFREI. DENNOCH SIND WEIHRAUCHPRÄPARATE IN DEUTSCHLAND NICHT ZUGELASSEN UND NUR EINGESCHRÄNKT ERHÄLTLICH.

Botanisches oder exklusive Askese...
Weihrauch ist zum einen die umfassende Bezeichnung für das Harz der tropischen Balsambaumgewächse Burseraceae, mit ca. 600 verschiedenen Arten. Allen ist gemeinsam, dass sie in der Rinde Sekretgänge aufweisen, über die sie Balsame absondern. Diese Balsame werden in geringen Mengen, als Harztröpfchen, auch ohne äußere Verletzung abgesondert. Viele mythische Geschichten drehen sich um Sträucher und Bäume mit der Fähigkeit zu weinen. Frauen und Göttinnen wurden als Strafe für irgendeine Verfehlung in eine Pflanze verwandelt, die austretenden Harztröpfchen wurden als Tränen der gefangenen Seelen gedeutet. Verdunsten die ätherischen Öle des Balsams, bleibt das Harz zurück.
Weihrauch ist zum anderen auch eine Pflanze, der Weihrauchbaum, der nur in wenigen Regionen der Erde gedeiht:
Südarabien, heute Jemen und Oman : Boswellia sacra
Ostafrika, Somalia : Boswellia carterii
Ostindien : Boswellia serrata
Diese Gebiete sind seit Jahrtausenden die Hauptanbaugebiete. Historische Versuche, Weihrauch in anderen Gebieten anzusiedeln, schlugen fehl. Der strauchartige Weihrauchbaum wird 1,50 bis 6 m hoch und ist auf exklusive Weise anspruchslos. Er braucht klare, extreme Bedingungen, Wärme und Trockenheit, steinigen, kalkhaltigen Boden. Bei mehr als 10 cm Niederschlag im Jahresdurchschnitt gehen die Bäume ein. Sie brauchen Steinhalden mit wenig Erde, haben flache, lange Wurzeln und stehen häufig weit auseinander, in felsiger Landschaft. Die Bäume haben eine papierartig abblätternde Rinde, kleine, gefiederte, kräuselig-ledrige Blätter, die spiralförmig angeordnet sind. Weihrauch blüht mit bis zu 25 cm langen Blütentrauben, an denen unzählige, kleine, sternförmige Blüten sitzen. Die fünfblättrigen Einzelblüten erinnern mich in ihrer Form an Johanniskraut, sie sind von hellgelber Farbe, in der Mitte vom teilweise kräftig orangefarbenen Diskus zentriert, drum herum recken sich die Staubgefäße hervor. Das Harz des Weihrauchbaums ist weißlich-gelb, bernsteinfarben bis braun. Je heller das Harz, desto hochwertiger. Es wird geerntet, indem der Stamm und die Äste angeschnitten werden, so dass die Pflanze an den Verletzungsstellen vermehrt ihren Balsam absondert. Die ersten Harztränen werden, trotz ihrer niedrigeren Qualität, heute auch vermarktet. Der hochwertige Balsam tritt erst nach erneuter Verletzung der Rinde in größerer Menge aus, härtet in der Sonne, wird abgeschabt und gesammelt. Der Vorgang wird während der Erntezeit mehrere Male wiederholt, aber höchstens 3 Jahre nacheinander. Wird der Pflanze dann keine mehrjährige Erholungsphase gegönnt, verschlechtert sich die Qualität des Harzes oder der Baum erkrankt. Der jährliche Ertrag eines Baumes ist abhängig von Alter, Größe und Gesundheit und liegt zwischen 3 -10 kg Harz.

Weihrauch und Politik, historisches...
Die genauen Standortbedingungen, die dadurch begrenzte Kulturfläche und die große Nachfrage machten Weihrauch schon in alten Zeiten exklusiv und teuer und damit auch zur Grundlage von Reichtum und Macht - zeitweise konnte er mit Gold aufgewogen werden und sein Standort galt als Staatsgeheimnis. Der Handelsweg, die legendäre Weihrauchstraße sorgte für Reichtum der Anrainerstaaten. Geographisch verband sie den Indischen Ozean mit dem Mittelmeer, eine schwierige Strecke von etwa 3500 km, die zu bereisen 70-90 Tage dauerte. Sie führte von Moscha, im heutigen Oman, durch die Wüstengebiete an der arabischen Halbinsel entlang, bis Petra im heutigen Jordanien. Der jeweiligen politischen Machtsituation entsprechend veränderten sich die Streckenführung nach Norden und die profitierenden Stadtstaaten und Königreiche, die die Handelsbedingungen bestimmten. Ein Abweichen von der Route wurde zeitweise mit dem Tod bestraft. All das vervielfachte den Preis auf dem Transportweg.

Weihevoller Rauch
Als Räucherwerk ist das Weihrauchharz seit Jahrtausenden in aller Nasen, mit individueller Vorliebe oder Abneigung. In Ägypten, Babylon, Assyrien, Phönizien, Persien, Israel, Griechenland und im alten Rom, wurde es bei spirituellen Zeremonien, Gottesgerichten und Rauchopfern verwendet. Der aufsteigende Rauch galt damals wie heute als Verbindung mit dem Göttlichen oder Ausdruck des Göttlichen selbst. Weihrauch war Symbol für Ansehen, Würde und Reichtum. Vermögende und einflussreiche ÄgypterInnen wurden nach ihrem Ableben mit Weihrauch einbalsamiert. Wer sich's leisten konnte, nutzte den reinigenden Wohlgeruch, zum Räuchern und Desinfizieren auch bei geselligen Anlässen und im Alltag, als Schutz vor Infektionskrankheiten, als Parfum, Körperpflegemittel und Puder (galt als Aphrodisiaka). Im alten Griechenland war es üblich, nach Symposien (Ü:Trinkgelagen!) sich die dicken Köpfe von Weihrauch umwehen zu lassen, so den Kater zu vertreiben und die Geister zu klären. Auch die heilsame Anwendung des Weihrauchs bei Räucherungen und in der Aromatherapie wird heute durch Forschungen erklärt und bestätigt. Die Verarbeitung von Düften, Wahrnehmungen unseres ältesten Sinnes, findet im Limbischen System statt, einer unserer ältesten Hirnstrukturen, in dem Sinneserfahrungen mit Gefühlen in Beziehung gesetzt werden. So gelangt auch der Duft von Weihrauch direkt in unsere Seele. Weihrauch öffnet für spirituelles Wahrnehmen, harmonisiert und zentriert.

Heilsamer Feststoff
Neben der Räucherung wurde Weihrauchharz und -rinde, von den historischen Ärzten häufig als Heilmittel angewendet. Die älteste, erhaltene Erwähnung zur Behandlung mit Weihrauchharz (botan.: Olibanum; ind.: sallai gugul) stammt aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. und findet sich im ägyptischen Papyrus Ebers - in der ägyptischen Volksheilkunde wird Weihrauchharz bis heute genutzt. In der Ayuvedischen Medizin, die viel älter ist als ihre schriftliche Überlieferung, wird Bosellia serrata schon in einer der frühesten Textsammlungen erwähnt (ca. 7.Jahrh. v. Chr.). In späteren Quellen und bis heute werden folgende Wirkungen genannt (1): analgetisch, antiphlogistisch, antiseptisch (Öl), antipyretisch, expektorierend, antidiarrhoisch, diuretisch, hirntonisch, allgemein stimulierend, kardiotonisch, karminativ, stomachisch, digestiv, antihelmintisch, diuretisch, aphrodisiatisch, diaphoretisch, hämostatisch, und Kapha verringernd in Kopf und Nacken(..............).

(Ende der Leseprobe)

 

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