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Kompetenz in Frauenhand

Autorin: Maria Zemp, Bad Münstereifel
Heilpraktikerin, Körperpsychotherapeutin (DGK)

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 33
zum Thema "Kompetenz in Frauenhand"
2. Frauennaturheilkundekongress in Berlin

Liebe LACHESIS-Frauen, geschätze Kolleginnen aus anderen Verbänden, geschätzte Politikerinnen, liebe Teilnehmerinnen, ein herzliches Danke an das Organisationsteam, die mich mit der ehrenvollen Aufgabe betraut habenm, die Eröffnungsworte zu sprechen!

Vor 7 Jahren, im Januar 1997, eröffneten wir den 1. bundesweiten Frauennaturheilkundekongress in Köln. Ich gedenke an dieser Stelle Dorisa Schadow, die damals in ihrer Eröffnungsrede den Wunsch in die Welt geschickt hat, LACHESIS möge in 10 Jahren, also 2007, 1000 Mitfrauen haben. Ich schließe mich ihrem Wunsch gerne an und hoffe, dass auch dieser Kongress viele Heilpraktikerinnen begeistern kann, heimisch zu werden in unserem Berufsverband.

Ich pendle in meiner Rede zwischen der Kongressbotschaft von 1997 und der Botschaft dieses Kongresses. Wie auf einer Schaukel erhasche ich dabei Blicke in die Zukunft von LACHESIS. Natürlich heilen Frauen stellten wir 1997 fest und die Doppeldeutigkeit des Wörtchens natürlich wurde verstanden. Mit der Botschaft Kompetenz in Frauenhand, haben wir Sie und euch heute nach Berlin eingeladen. Beide Titel drücken aus, was LACHESIS - Frauen in den letzten 17 Jahren, seit der Gründung des Verbandes, aufgebaut haben:

POLITISCHE KOMPETENZ
Wir wissen und achten, dass die historischen Wurzeln des Heilwissens bei den Frauen liegen, und wir haben es geschafft, aus dieser unterdrückten und verfolgten Geschichte herauszuwachsen und einen Berufsstand der Heilpraktikerinnen zu gründen und zu gestalten. Vertreterinnen von LACHESIS sind heute geschätzte Mitfrauen diverser Fachkommissionen.

BERUFLICHE UND PERSÖNLICHE KOMPETENZ
Es gibt wohl kaum eine Heilmethode, die nicht von einer LACHESIS-Frau angewendet wird. Was mich immer wieder freut, ist die Feststellung, dass LACHESIS-Frauen wenig den Modetrends von Heilmethoden verfallen. Unsere Fortbildungen innerhalb und außerhalb des Verbandes sind getragen vom Wissen, dass persönliches und professionelles Wachstum einander bedingen. LACHESIS zeigt: Berufliche und persönliche Kompetenz lässt sich weder als Mode erwerben noch als Trend von gestern ablegen!

LACHESIS hat seit dem letzten Kongress eine Struktur erarbeitet, in der unsere Werte unser Rückgrat sind, die Mitfrauen mit ihren Kompetenzen sichtbar sind, wir gegenüber der Öffentlichkeit wissen, wann wir mit Stöckelschuhen und wann wir im Anzug erscheinen.

Und jetzt, wie gehen wir weiter? Legen wir die Hände in den Schoß und verwalten das Erreichte? Oder ziehen wir uns angesichts der Probleme dieses Landes und der Weltprobleme in den Vorruhestand zurück und organisieren gesunde feministische Kaffee- und Kuchenfahrten? Diese Entwicklung wünsche ich uns nicht!

Die gesellschaftliche Realität ist seit dem letzten Kongress sichtbar und spürbar eine andere geworden. Auch das Organisationsteam hat das in der sinkenden Anzahl der Teilnehmerinnen zu spüren bekommen. Wir treffen in unserem Land bereits die ersten Menschen, die sich Gesundheit nicht mehr leisten können. Die soziale und bildungspolitische Fraueninfrastruktur, für viele von uns sind das wichtige Arbeitgeberinnen, ist zum größten Teil weggekürzt worden. Wenige Frauenbildungseinrichtungen kämpfen auf dem Markt um die noch zahlungsfähigen Kundinnen. Wie viele ausgebildete Heilpraktikerinnen wagen sich heute noch in die Vollselbständigkeit? Hut ab, vor all den Frauen, die die Praxisgründung überhaupt noch wagen, sei es als Haupt- oder Nebenerwerb.

Mit der Frage: Wie kann unser Berufstand in der veränderten gesellschaftlichen Situation wirken? muss LACHESIS die nächsten Ziele formulieren. Dazu brauchen wir mehr als das Feiern der Erfolge. Wir brauchen Mut unsere Veränderung zu gestalten, Zähigkeit und Risikobereitschaft! Und ich meine, mit unserem Wertpapier sind wir dafür gut gerüstet!

Deshalb möchte ich den beiden Werten Wandel und Feminismus während dieses Kongresses besondere Aufmerksamkeit schenken. Ich beabsichtige damit, dass uns, die wir schon länger am Aufbau von LACHESIS arbeiten, immer wieder klar ist, wie kostbar und wegweisend unser Wertpapier ist. Andere Verbände beziehen sich mittlerweile darauf, auch meine Fortbildungsgruppen schließen sich mit viel Respekt diesen Werten an. Denjenigen Frauen, die uns heute das erste Mal - und hoffentlich ja nicht das letzte Mal besuchen, möchte ich die Gelegenheit geben, sich mit unseren Werten vertraut zu machen, und lade sie herzlich ein, sich an der Diskussion, welche nächsten Ziele LACHESIS wie bearbeiten soll, teilzunehmen.

Vor allem aber möchte ich aufzeigen, dass wir gut daran tun, unsere Werte zu hüten. Sie sind von solch einem weitsichtigen Geist getragen, dass es sich nicht lohnt, sie für all die kurzfristigen Konzepte, heißen sie nun Globalisierung oder Staatsreform, zu opfern. Unsere Werte sind formuliert auf dem Boden der täglichen Erfahrung, einer lebendigen fühlbaren Welt, die bewohnt und gestaltet und bedroht wird von Menschen. Sie sind formuliert in einer Welt, in der Pflanzen, Tiere, Steine und Bäume uns ihre heilende und zerstörende Kraft schenken und sich je nach Umweltgegebenheiten anpassen, verändern oder aussterben. Und das ist die reale Welt, die noch 100 weitere Gesundheitsreformen überdauern wird, und die für viele von uns die Quelle unseres Wirkens ist. Was wir meiner Meinung nach machen müssen ist, mehr und mehr, differenzierter und genauer, unsere Werte in unserem Handeln stabilisieren, so dass sie uns ein Kompass sein können, auf unserer weiteren LACHESIS-Reise!

DIE WERTE SIND UNSER RÜCKGRAT
In unserem Wertpapier steht unter dem Titel "WANDEL: Wir würdigen den Zyklus von Werden, Wachsen und Vergehen. Wir verstehen Gesundheit und Krankheit und Tod als Teil dieses Prozesses".

Wie hilft uns dieser Wert heute, inmitten von Landespolitik und Alltag, welche Orientierung kann er uns geben, um unseren Platz als Heilkundige in der Welt zu bestimmen? Dieser Frage sich zu stellen, setzt voraus, dass wir Werden, Wachsen und Vergehen gleichzeitig denken und uns immer mehr befähigen, diese Gleichzeitigkeit zu atmen und zu fühlen. Wir brauchen aber auch Mut, Vergehen zu lassen, denn Sterben ist immer mit schmerzhaften Abschiedenn verbunden. Wir brauchen mehr als die Angst, unsere Brötchen könnten angesichts leererer Praxen und dünnerer Seminarbelegung knapper werden. Klugheit und vor allem Erfinderinnengeist sind gefragt, um mitten im Vergehen das Neue zu entdecken. Die Ehrung der Weisheit des Alten und die ungestüme junge Unbekannte müssen gleichzeitig ihren Platz in unserer Welt bekommen.

Die Illusion, dieser Staat würde unsere Welt fördern und anerkennen, ist mit der Rot / Grünen - Regierung definitiv geplatzt, halten wir uns mit dem Lamentieren darüber nicht länger auf! Setzten wir bei dem an, was wir können: Unbekannte Wege erschließen, Frechheit und zivilen Ungehorsam zur Tugend zu machen. In unseren Klientinnen haben wir dabei gute Vorbilder. Ihre Heilungswege verlaufen weder angepasst noch berechenbar. Oft brauchen sie eine große Portion Mut und eine hohe Risikobereitschaft, um ihrer Krankheit und ihren Schmerzen zu begegnen. Wohin sie dieser Weg führt, wissen sie genauso wenig wie wir wissen, wie hoch unsere Altersrente sein wird! Unsere Klientinnen kommen zu uns, weil sie sich dieser Welt von Werden und Vergehen, anvertrauenn wollen - oder oft genug, aufgrund von lebensbedrohlichen Erkrankungen, anvertrauen müssen (...).

(Ende der Leseprobe)

 

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