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Existenzgründung für Heilpraktikerinnen

Autorin: Marie Sichtermann, Mechernich, Eifel
Juristin und Heilpraktikerin,

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 31
zum Thema "Fit in der Praxis - Praxisalltag und Regeneration"

Als ich im Jahre 1983 als frisch geprüfte Heilpraktikerin Praktika machte und zu den Fortbildungen eines großen HP-Verbandes ging, war dieser Beruf von Männern dominiert. Es gab damals nur einen Bruchteil der Heilpraxen, die es heute gibt. Die Heilpraktiker ernährten ihre Familien mit diesem Beruf, und die wenigen Heilpraktikerinnen ernährten wenigstens sich selbst.  

Ein Frauenberuf
Schon ein paar Jahre später sah das Bild anders aus. Es gab selbst verwaltete HP-Schulen, Alchemilla in Hamburg und die Hasenheide in Berlin, das Frauenbildungshaus Zülpich bot einen dreijährigen Lehrgang nur für Frauen an. Zwar waren die Selbstverwaltung wie auch die Reisen nach Zülpich anstrengend, doch es zeigte sich, dass die "alternativen" Schulen und Lehrgänge sehr viele wissende und motivierte Frauen entließen, die die Prüfung schafften und sich in diesem Beruf niederlassen wollten. Diese Frauen waren nur ein Teil des Trends, der in der ganzen Gesellschaft sichtbar wurde: Frauen nahmen die Gesundheit und das Heilen wieder in ihre Hände und als ihre Aufgabe wahr.  

Seit Mitte der 80er Jahre wandelte sich der Beruf zum Frauenberuf und zugleich zu einer Nebenerwerbstätigkeit, denn viele Frauen ergriffen die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten in einem Raum in ihrer Wohnung oder in ihrem Haus auszuprobieren und anzubieten, während sie hauptberuflich einer anderen Erwerbstätigkeit nachgingen oder Familienarbeit leisteten. Dies wurde ihnen durch die Tatsache erleichtert, dass es zum einen überwiegend möglich und erlaubt ist, in der eigenen Wohnung in geringem Umfang berufstätig zu sein, solange frau damit niemanden stört (z.B. durch Schreie, Moxa-Geruch, rauchende Grüppchen im Treppenhaus, lärmende Kinder). Zum anderen wird eine Kleinpraxis zu Hause von den PatientInnen recht gut angenommen, denn es ist etwas Gewohntes, zu Frauen nach Hause zu gehen, es setzt Frauen nicht herab. Da haben sie ganz sicher einen Vorteil gegenüber Männern, die eher Misstrauen in ihre Fähigkeiten wecken, wenn sie ein kleines, nebenberufliches Angebot von ihrer Wohnung aus machen.  

Frauen stießen in den 80er Jahren mit ihrem Angebot auf eine Akzeptanz in der Bevölkerung, die es mit Sicherheit nicht immer gegeben hat. Die Frauenbewegung mag einen Teil dazu beigetragen haben, dass nun Ärztinnen, Psychotherapeutinnen und anderen Frauen in Heilberufen endlich großes Vertrauen entgegengebracht wurde, und dass mehr und mehr Frauen bewusst zu Frauen gehen wollten, wenn sie gesundheitliche Probleme hatten.
(...)

(Ende der Leseprobe)

 

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