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Die Gebärmutter:

Keine steigt vergeblich den steilen Weg zu ihr hinunter

Autorin: Maria Zemp, Bad Münstereifel
Heilpraktikerin

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 30
zum Thema "Gynäkologie"

Ich soll über dich schreiben und jetzt bist du stumm. Aber bist du das nicht meistens? Ist nicht genau dein Schweigen das, was dich zur regenerierenden Mutter macht? Mein Wörtermund spricht, mein Muttermund gluckst. Wie entlocke ich dir deine Geheimnisse?  

Hörerin und Seherin
Erzählen Frauen mir in meiner Praxis von ihrer Gebärmutter, fühle ich mich oft an das mythologische Bild der Sybillen erinnert. Sie waren einst Wahrsagerinnen, hausten in Höhlen, "in ihrem unterirdischen Schloss hielten sie ungeheure Schätze an Gold und Edelsteinen verborgen. Vielen, die sie um Rat baten, halfen sie in der Bedrängnis, keine stieg vergeblich den steilen Weg zu ihnen hinunter." (Sigrid Früh)
Während Frauen in Visualisierungen ihre Gebärmutter aufsuchen, setze ich mich an den Höhleneingang und lausche ihrem Besuch.

Eine Aufzeichnung ihres Abenteuers:
eine Frau reist mit Tönen in ihre Gebärmutter und entdeckt dort den Unterschlupf eines wilden, hämischen Wesens, das ordentlich für Rummel sorgt. Würde es aus der Gebärmutter ausziehen, wäre diese wie eine Tropfsteinhöhle, eher tot. Das wilde Wesen ist wie ein Geist. Sie wird von einer Stimme aufgefordert, eine Kerze anzuzünden, sich dem wilden Wesen zu nähern und es in den Arm zu nehmen.
Zurück von ihrer Reise versuchen wir das sybillinische Orakel zu entschlüsseln, die Bilder mit ihrer Geschichte zu verbinden.

Auszüge aus der Anamnese:
Sie ist eine 52jährige Frau, die vor 4 Jahren ein Myom diagnostiziert bekommen hat, das trotz naturheilkundiger Behandlung bis heute auf 9 cm gewachsen ist. Sie steht vor einer Operations-Entscheidung, bei der sie auch die Gebärmutter verlieren würde. Vor drei Jahren hatte sie eine Amalgamsanierung. Bei der Befragung nach Traumatisierungen erzählt sie, dass ihr Ex-Ehemann sie vergewaltigt hat und anschließend versucht hat, sie umzubringen. "Ich bin dem Tod von der Schippe gesprungen". Das Ereignis ist 25 Jahre her. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen haben sie seither gelehrt zu überleben.

Die Körperweisheit entschlüsselt das Orakel:
Das wilde Wesen erkennt sie als die 27jährige Frau, die sich in Todesangst zum Geist erstarrt, auf und davon gemacht hat. Sie hat sich in die Höhle, in die Gebärmutter zurückgezogen. An diesem geheimen Ort konnte sie die Glut ihres beinahe ausgelöschten Lebensfeuers bewahren. Mit dem Entzünden der Kerze, für die Reisende das Symbol ihres Lebenslichtes, verliert das wilde Wesen seine Geistgestalt, es bekommt einen Körper, es wird von ihr beseelt, sie erkennt sich wieder.
Die vor Schreck und Schmerz erstarrte Lebensenergie ergießt sich als warmer Strom in ihrem Bauch, die Tränen fließen und das Herz wird weit und voller Mitgefühl für das Wesen, das in der Todesangst gewusst hat, in welchen Schutzraum es fliehen kann. Die Frau ist voller Dankbarkeit für ihre Lebenskraft und weiß, dass sie mit dieser Begegnung vom Überleben als notwendige Strategie, zur Quelle ihrer Lebendigkeit vorgedrungen ist. Mit dem wilden Wesen im Arm hat sie sich selber neu geboren.
(...)

(Ende der Leseprobe)

 

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