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Homöopathische Behandlungsansätze von Burn-Out PatientInnen

Ein Einblick in die Arbeit der Fachgruppe Homöopathie

Autorin:
Annette Kresse, Heilpraktikerin, Klassische Homöopathie, Manuelle Lymphdrainage, Osteopathie

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 44
mit dem Thema: „Burn-out. Zur Hüterin des eigenen Feuers werden“

 

Die Grundlage für diesen Artikel bilden die Diskussionen der Lachesis-Homöopathinnen, die sich Ende August 2013 in der Nähe von Eisenstadt zum Fachgruppentreffen Homöopathie trafen. Schnell wurde klar, dass wir als Homöopathinnen in der Behandlung des Burn-Out Syndroms mehr gefordert sind, als nur mit dem passenden homöopathischen Mittel das Energieloch zu füllen. Ein mehr an Energie, ohne entsprechende Ressourcenarbeit und Entwicklung von Bewältigungsstrategien, könnte sich sogar schädlich auswirken, wenn die PatientIn die gewonnene Energie dazu nutzt, sich noch mehr auszupowern.

Im Verlauf unserer Diskussionen beleuchteten wir zwei Fragestellungen genauer. Zum einen diskutierten wir, inwieweit ein miasmatischer Ansatz und eine darauf aufbauende Ressourcenarbeit bei Burn-out PatientInnen in der Behandlung sinnvoll sind. Der andere Schwerpunkt war inwieweit die „alte“ Miasmenlehre und heutige Homöopathie-Ansätze zur selben Mittelwahl führen und sich ergänzen können.   

I. Die Miasmen – Wege ins Burn-Out und Ressourcen
Eine wesentliche Grundlage der homöopathischen Behandlung beruht auf der Erkenntnis des Begründers der Homöopathie, Samuel Hahnemann, dass chronische Krankheiten eine tiefere oft vererbte Krankheitswurzel haben, die Miasma genannt wurde. Dabei entwickelte er das Konzept von drei Miasmen.
Die Psora ist gekennzeichnet durch das generelle Gefühl, nicht stark oder gut genug zu sein. Hier greifen besonders stark die Folgen von Mobbing, die Furcht vor Armut und das Gefühl nicht genug Unterstützung von außen zu erhalten. Kontraproduktiv wirken Diät-Maßnahmen, die Empfehlung Sport zu treiben u.a., weil einfach nicht genug Energie vorhanden ist. Stärkend können sich z.B. die Teilnahme an Selbsthilfegruppen auswirken: „Ich gehe in Kontakt und erfahre Verständnis und Kommunikation.“
Wie schon erwähnt sind „kraftzehrende“ Aktivitäten eher kontraproduktiv, weil sie die schon vorhandene Schwäche unterstützen. Alles, was Kontakt, Geborgensein in der Gruppe, unterstützt, ist heilsam, sowie auch Aktivitäten, die helfen, in die eigene Mitte zu finden und die eigene Kraft und Stärke zu fühlen wie z.B. Feldenkrais, Chi Gong, Aikido. Und bei der Mehrheit der psorisch belasteten Menschen ist auch Schwimmen gehen hilfreich.

Bei der Sykose ist das Burn-Out Syndrom in der Regel die Folge, dass die PatientIn sich real zu viel zumutet.  Aus der Angst, dass jemand ihre Schwäche bemerken könnte, versucht sie, stärker und leistungsfähiger zu erscheinen und brennt sich darin aus. Im Gegensatz zur Psora, die echte Schwäche empfindet, steht hier das Bestreben im Vordergrund, die eigene Schwäche zu verstecken. So kann also das Verständnis der Miasmen ermöglichen, dass ich die Dynamik, die in ein Burn-Out Syndrom führt, besser verstehen kann.
Da das Thema der Sykose die Übertreibung und das „über die Grenze gehen“ auf allen Ebenen ist, liegt die Heilung darin, eigene Grenzen zu erfühlen und Schwächen einzugestehen. Die ressourcenorientierte Arbeit sollte also die PatientIn unterstützen, das eigene Maß zu erkennen. Um den Überschuss und die innere Hast abzubauen, kann körperliche Betätigung (statt Arbeit) hilfreich sein.

Wohingegen im syphilitischen Miasma schon ein Schritt in die Selbstzerstörung stattfindet, die u.a. darin Ausdruck findet, dass die PatientIn sich in einem Zustand der Kontaktlosigkeit, sowohl im Hinblick auf ihr eigenes Empfinden, als auch in ihrem Verhältnis zur Umwelt befindet. Die zerstörerische Kraft, die sich im syphilitischen Miasma durch die Angst vor Vernichtung entwickelt und die PatientIn zur Einzelkämpferin werden lässt, kann durch das „Wieder-in-Kontakt-gehen“ transformiert werden. Die Anbindung ans Universum kann unterstützt werden durch Ordnungstherapie und Rhythmus, also auch durch Musik, Trommeln und alles, was den Fluss des Lebens „erleben“ lässt.
Für die Therapeutin ist es eine große Herausforderung, die „ausgebrannte“ PatientIn zu unterstützen, sie an ihre Ressourcen zu erinnern. Manchmal hilft die einfache Frage danach, was ihr als Kind Freude gemacht hat. Wo ist der Raum, wo sie sich entfalten kann? Wo kann sie schöpferisch tätig sein? Wo entspannt sie? Was macht sie zum Ausgleich und was begeistert sie? (… )

(Ende der Leseprobe)

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