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Zur Hüterin des eigenen Feuers werden

Eröffnungsvortrag der LACHESIS-Tagung „Burn-out“

Autorinnen:
Brigitte Baltscheit, Sabine March, Monika Wagner
Heilpraktikerinnen und Vorbereitungsteam der Tagung Zur Hüterin des eigenen Feuers werden

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 44
mit dem Thema: „Burn-out. Zur Hüterin des eigenen Feuers werden“

 

In unserer intensiven zweijährigen Vorbereitungszeit für LACHESIS- Verbandstagung 2014 stürzten wir uns begeistert  in Diskussionen, brachten unsere eigenen Erfahrungen ein und trugen verschiedene Meinungen und Theorien aus gängiger Literatur zusammen. Mit all diesen Informationen entwickelten wir unsere These von Burn-out und ein Konzept zur Stärkung der Selbstwahrnehmung und Eigenmacht. Unter dem Leitmotto „Burn-on“ interessierte es uns besonders, wie es möglich ist, zur Hüterin des eigenen Feuers zu werden.
In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts beschreibt der Psychoanalytiker Dr. Herbert Freudenberger1 zum ersten Mal einen Frustrations- und Erschöpfungszustand bei Menschen, die mit überdurchschnittlich hohem Engagement in sozialen Bereichen tätig sind und benennt diesen Zustand mit dem Begriff  Burn-out.

In den 80er Jahren veröffentlicht er sein Modell der 12 Stufen des Burn-outs, welches seitdem in immer neuen Abwandlungen in der medizinischen Welt auftaucht. Seit dem Ende der 90er Jahre erlebt der Begriff Burn-out einen bisher nicht unterbrochenen Hype und hat an Öffentlichkeitswirksamkeit inzwischen sogar die langanhaltende ADHS-Diskussion weit in den Schatten gestellt.(…)

Derzeit gibt es so viele Burn-out-Definitionen und -Beschreibungen, dass es müßig wäre zu versuchen, sie auch nur zu zählen. Allerdings konnten wir feststellen, dass sich der Begriff im Rahmen der aktuellen Definitionen immer weiter von der ursprünglichen These entfernt. Die Ursache wird immer weniger in der persönlichen Einstellung und immer mehr in externen Einwirkungen wie z.B. Arbeitsüberlastung gesucht und das Krankheitsbild wird immer weiter mit dem der Depression, des Fatigue-/Erschöpfung-Syndroms vermischt. ( …)

Burn-out
Burn-out ist dagegen gekennzeichnet durch eine über einen längeren Zeitraum anhaltende psychische Niedergeschlagenheit mit Symptomen wie Angst, Schlafstörungen, innere Unruhe, Appetitlosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, reduziertes Selbstbewusstsein, Neigung zum Grübeln, Schuldgefühle, Magenschmerzen, hormonelle Veränderungen, Sinnleere, Suizidgedanken. Burn-out reicht in den Bereich der körperlichen, geistigen und seelischen Empfindungsstörungen hinein. (…)
 
In der derzeitig vorherrschenden Sicht auf das Burn-out, werden die Ursachen oft im Außen und hier vor allem in der Arbeitswelt gesehen. Im Einzelnen werden besonders die steigende Arbeitsverdichtung, die Fehlorganisation des Alltags und übermäßiges Engagement benannt. Lösungsansätze sind dementsprechend Arbeitsumorganisation, Alltagsumorganisation und Reduktion des sozialen Engagements.
Diesem Blick von außen entspricht oft eine Therapie, die die Patientin von außen mit standardisierten Therapien bedenkt, die nicht auf ihre Persönlichkeitsstruktur und individuelle Lebenssituation eingeht.
Der Behandlungserfolg wird ausschließlich an der wiedererlangen Arbeitsfähigkeit festgemacht. Der Blick auf den Menschen ist ein rein funktionaler: Mensch funktioniert nicht, Mensch wird repariert, die Arbeitsmaschine Mensch funktioniert wieder.

Ohne die gesundheitsschädigenden Auswirkungen von Arbeitsüberlastungen und Dauerstress zu verleugnen, sehen wir die Besonderheit des Burn-outs hingegen als Problematik bei Menschen mit großem sozialem Engagement, die sich durch ungeklärte Motivationen und Erwartungshaltungen erschöpfen. (…)

Anmerkungen:
1 Freudenberger H.J.: staff burnout. journal of social  issues, Vol.30, S. 159 -165, 1974

 

(Ende der Leseprobe)

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