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Warum bin ich so erschöpft?

Ein Blick auf das Phänomen Burn-Out aus gestalttherapeutischer Sicht

Autorin:
Alexandra Erikson, Heilpraktikerin, Gestalttherapeutin, Körpertherapie, Gestalttherapie, Coaching

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 44
mit dem Thema: „Burn-out. Zur Hüterin des eigenen Feuers werden“

 

Gestalttherapie sieht den Menschen als „Selbst im Feld“:
Der Mensch lebt innerhalb seiner ökologischen, sozialen und ökonomischen Umwelt und ist mit dieser untrennbar verbunden. Als „Selbst“ bezeichnet die Gestalttherapie den handelnden Organismus, der an der Grenze zur Umwelt in ständiger Anpassung befindlich ist: „Wo dies möglich ist, passt das Selbst die Umwelt den eigenen Bedürfnissen an; wo es notwendig ist, passt sich das Selbst der Umwelt an. Gerade durch die aktive (oder kreative) Anpassung behauptet das Selbst seine Differenz zur Umwelt und schafft eine kontinuierliche Einheit, auf die es sich als „Ich“ bezieht.“ 1  

Der Kontaktzyklus
Der Kontakt des Selbst mit seiner Umwelt findet an der Selbst-Grenze statt.
Ein „gesundes“ Selbst ist in seinem Feld flexibel. Kontakt verläuft phasenhaft, das Energieniveau wellenförmig. Daher wird in der Gestalttherapie der Zyklus des Kontakts als "Gestaltwelle" bezeichnet. Diese gliedert sich in 6 Phasen:

  • Vorkontakt
  • Kontakt mit dem eigenen Bedürfnis
  • Kontakt mit der Umwelt
  • Aggression
  • Assimilation/Integration
  • Nachkontakt

Am Beispiel der Nahrungsaufnahme, einem absoluten Grundbedürfnis, stellt sich dies wie folgt dar:
In der Phase des Vorkontakts nehme ich eine Unruhe in mir wahr. Phase zwei beginnt, wenn ich in Kontakt mit meinem Bedürfnis gehe: Ich prüfe, welches Bedürfnis die Unruhe ausgelöst haben mag und spüre beispielsweise Hunger.
Desweiteren prüfe ich in dieser Phase, ob ich meinem Bedürfnis nachgebe oder es beispielsweise auf später verschiebe, weil ich noch eine Arbeit fertig stellen will (Priorisierung). Wenn ich mich entscheide, meinem Bedürfnis nachzugeben, trete ich in Phase drei ein. Ich nehme Kontakt mit der Umwelt auf. Ich mobilisiere Energie und mache mich auf den Weg zum Kühlschrank, öffne die Tür und wähle unter den vorhandenen Lebensmitteln das Gewünschte aus. Damit beginnt Phase vier, die Aggression: Ich greife nach einem Apfel, beiße hinein, kaue und schlucke.
Jetzt sinkt mein Energieniveau rapide ab, ich beginne Phase fünf, das Stadium der Assimilation: Ich verdaue das mir Einverleibte und scheide das Nichtbekömmliche wieder aus; das Bekömmliche füge ich meinem System hinzu, es wird Teil von mir.
Nun beginnt die letzte Phase des Kontaktzyklus: Die Phase des Nachkontakts, in der ich Sättigung und Befriedigung spüre.

Schon bei der Betrachtung dieser idealtypischen Beschreibung lassen sich die Ansätze zu einer Burn-out Therapie erkennen.
(...)

Anmerkungen:
1 Blankertz/Doubrawa: "Lexikon der Gestalttherapie", S. 259, Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal, 2005

(Ende der Leseprobe)

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