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Darm, Charme und Chance

Mikrobiologische Stuhl- und Darmdiagnostik als Behandlungsbasis

Autorin:
Sybille Katharina Schobel, Heilpraktikerin, Zertifizierte Fachberaterin für
Darmgesundheit (DePROM), Mikrobiologische Darmsanierung, Orthomolekulare Therapie
Phytotherapie, Manuelle Schmerztherapie, KörperPsychoTherapie ILA

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 46
mit dem Thema: „Diagnostik in Bewegung“

 

„Erst wenn wir so genau wie möglich wahrnehmen, was ist, können wir entscheiden, ob
wir es verändern wollen oder nicht.“ Jutta Becker, Mitbegründerin der KörperPsychoTherapie ILA

Die mikrobiologische Stuhl- und Darmdiagnostik nutze ich seit 2007. In der Praxis ist sie für mich ein bedeutender Baustein einer fundierten individuellen Anamnese und die Chance, auf dieser Grundlage Körper, Geist und Psyche ganzheitlich zu behandeln.
Ich erfahre diesen Diagnoseweg auch als Chance unsere verschiedenen Therapieansätze zu verbinden und zu erweitern. Der genaue Blick ist mit allen Therapieverfahren vereinbar. Den Zustand des Darms und seiner Bewohner zu verbessern, hatte in der Naturheilkunde schon immer einen hohen Stellenwert und bietet die Chance, bei zahlreichen Erkrankungen viel mehr als die Symptome zu behandeln. Die Möglichkeiten der heutigen Mikrobiologie könnten das Grundverständnis von Gesundheit und Krankheit nachhaltig verändern, bis hin zu unserem grundlegenden Selbstverständnis als Menschen.
Ich will Euch infizieren mit meinem Staunen und meiner Begeisterung für das faszinierende Leben in unserer Mitte.

Warum in Exkrementen suchen?
Es ist viel Zeit vergangen, seit Ilja Metschnikow (1845-1916, russischer Biologe, Entdecker der Phagozytose) die Wichtigkeit der Darmgesundheit und die lebensverlängernde Wirkung von Probiotika1 propagierte, bis zur molekulargenetischen Forschung, die uns einen sehr genauen Blick in dieses Universum erlaubt. 2008 wurde das „Human Microbiome Project“ gegründet, bestehend aus einem internationalen Zusammenschluss molekulargenetischer Forschungsinstitute. In dieser Kooperative sollen sämtliche am und im Menschen lebende Mikroben genetisch identifiziert und erfasst werden mit dem Ziel, Zusammenhänge zwischen unserer Bakterienbesiedelung und der Entstehung von Erkrankungen/Gesundheit zu klären. Im Fokus waren zunächst Darmentzündungen, Krebs und Adipositas. Inzwischen entstand aus den Ergebnissen eine Referenzdatenbank, die seit 2012 vorliegt und sich stetig erweitert. Weltweite Forschungen liefern immer mehr detaillierte Erkenntnisse zum menschlichen Darmmikrobiom2, die für Diagnose und Behandlung große Relevanz haben – oder zumindest haben könnten und sollten. Die Liste der Erkrankungen, bei denen der Darm und seine Bevölkerung eine Rolle spielen, umfasst alle Beschwerden, die mit unserer grundsätzlichen Immunaktivität und Entzündungsbereitschaft in Zusammenhang stehen, von Alzheimer bis Zöliakie. Daraus resultiert auch die Chance, viele als chronisch eingeordnete Erkrankungen neu zu verstehen und zu behandeln.1Neue oder wiederentdeckte Therapieformen werden bei manchen Erkrankungen bereits angewendet: An verschiedenen Universitätskliniken werden PatientInnen mit chronischer Chlostridium Difficile Infektion bereits mit Fäkaltransplantation behandelt – mit einer Erfolgsquote von über 90% bei zwei Behandlungen!2 Oder: Am Klinikum Nantes wurde schon 2006 bewiesen, dass dem degenerativen Prozess der Gehirnzellen bei Morbus Parkinson schon ca. 20 Jahre vorher Obstipation und ein reduzierter Geruchsinn vorausgehen und die Nervenzellen des Darms die gleichen Veränderungen aufweisen wie die Gehirnzellen. Liegt hier die Chance, schon lange vor der Diagnose „M. Parkinson“ auf die Entwicklung Einfluss zu nehmen? Die Chancen erweitern sich, wenn wir uns bewusst machen: 80% der Nervenbahnen zwischen Bauch und Gehirn funken von „unten“ nach „oben“ und nur 20% vom Gehirn zu unserem Bauch. „Unsere Fähigkeit positiv zu denken und uns gegen Depressionen und Ängste zur Wehr zu setzen, kann von den Signalen  bestimmt werden, die unser Darm an das Gehirn schickt. So nimmt es Einfluss auf unser Unterbewusstsein“, sagt Michael Gershon, Professor für Zellbiologie an der Columbia Universität New York.13 Sein Buch „Der kluge Bauch“ ist bereits seit 15 Jahren in der deutschen Übersetzung im Handel.

Anmerkungen und Literaturhinweise:
1 Probiotika – Präparate, die lebensfähige Keime enthalten
2 Mikrobiom – hier: die DNA Sammlung der Mikrobiota, auch: DNA sämtlicher
mit dem Menschen lebender Bakterien
13 Denjean, C.: Dokumentarfilm „Der kluge Bauch“. arte edition 2013

(...)

(Ende der Leseprobe)

 

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