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Vaginale Selbstuntersuchung und Selbstuntersuchung der Brust

Eigenmacht statt ärztlicher Allmacht

Autorin:
Ulrike Rebstock, Heilpraktikerin, ganzheitliche Frauenheilkunde  
Vera Löffler, Sozialarbeiterin, Systemische Beraterin, Frauen- und MädchenGesundheitsZentrum

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 46
mit dem Thema: „Diagnostik in Bewegung“

 

Heute sind Diagnostik und die Bestätigung und Beurteilung von Krankheit oder Gesundheit weitestgehend an die Schulmedizin mit ihren Apparaten und technisiertem Verständnis delegiert. Dieses Abgeben an ExpertInnen kann zu einer Entfremdung des eigenen Körpers und dem Verlust des Vertrauens in den eigenen Körper führen und den Zugang zur eigenen Körperweisheit erschweren.

Voller Ängste, aus Vernunft oder auf der Suche nach (vermeintlicher) Sicherheit werden Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen des schulmedizinischen Angebotes in Anspruch genommen. Diese erfordern eine Nutzen-Risiko-Abwägung in Bezug auf mögliche Überdiagnosen und Überbehandlungen sowie falsch positive und falsch negative
Befunde.
Sich im heutigen Medizinsystem zu bewegen und zurechtzufinden, stellt für viele PatientInnen eine große Herausforderung dar. Diese Herausforderung zu bewältigen, gelingt umso besser, je besser Frauen informiert sind und eine eigene Einschätzung entwickeln können. Vertrautheit mit dem eigenen Körper und innere Sicherheit in die eigene Wahrnehmung unterstützen die Entscheidungsfähigkeit. Das Leitbild der informierten
Patientin, die möglichst selbstbestimmt ihren jeweiligen Untersuchungs- und Behandlungsweg mit entscheidet, ist seit vielen Jahren ein Leitbild in unserer Arbeit in den Frauengesundheitszentren und Praxen der Frauennaturheilkunde. In diesem Kontext messen wir der vaginalen Selbstuntersuchung und der Selbstuntersuchung der Brust eine wichtige und stärkende Bedeutung bei.

Die vaginale Selbstuntersuchung
Sie ist eine Errungenschaft aus der Frauengesundheitsbewegung in den 1970er Jahren. Damals war es eine Befreiung und Ermächtigung, sich in Frauengruppen zu versammeln und mit Spekulum, Spiegel und Taschenlampe die eigene Yoni und die der Anderen zu entdecken und kennenzulernen: die Vielfalt, die Schönheit, die Verschiedenheit, die Einzigartigkeit. Diesen intimen Körperbereich bewusst wieder zu integrieren, stärkte die Eigenmacht der Frauen gegen die damalige „Allmacht“ der ÄrztInnen. Seit damals hat sich viel verändert und der Trend, sich so nah mit dem eigenen Körper zu befassen, ist deutlich rückläufig. Das Angebot, sich mit anderen Frauen zur vaginalen Selbstuntersuchung in der Gruppe zu treffen, fände heute keine Interessentinnen mehr. Im Rahmen unserer Einzelarbeit mit Frauen im
Kontext von Verhütungsberatung halten wir dieses Angebot jedoch seit Jahren aufrecht. Wir sind Beraterinnen zum Thema Diaphragma und Portiokappe/Femcap und bieten den Frauen im Rahmen der Anpassung dieser Verhütungsmittel die Möglichkeit, die vaginale Selbstuntersuchung kennenzulernen und diese in den Beratungsablauf einzubinden.
Manche Frauen haben daran kein Interesse und nehmen das Angebot nicht wahr. Andere freuen sich sehr über diese Möglichkeit und lassen sich mit Neugier und Staunen darauf ein.
Diese Erfahrung ist für die Frauen häufig sehr berührend. Den eigenen Muttermund zu sehen und sich „ganz tief da drinnen“ zu tasten, ist für viele Frauen eine völlig neue Erfahrung, die sie bestärkt, berührt, bereichert. Aus Verunsicherung, Unkenntnis und Ängsten entstehen Sicherheit, Freude, Stolz und ein neuer Zugang zu sich selbst und dem eigenen
Körper.

(...)

(Ende der Leseprobe)

 

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