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Risiko Hormonspirale

Mangelnde Aufklärung und verharmloste Nebenwirkungen

Autorin:
Katharina Micada, Musikerin, Betroffene, Nutzerin Internetforen Hormonspiral

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 47
aus der Dokumentation vom Lachesis- Frauengesundheitskongress

Millionen Frauen im gebärfähigen Alter verhüten mit der Hormonspirale – Tendenz steigend. Hochgelobt als Kreuzung aus Pille und Spirale, ist die Hormonspirale seit ihrer Markteinführung 1995 weltweit verbreitet. Doch offensichtlich ist sie lange nicht so gut wie ihr Ruf. Die meisten Frauen realisieren die gesundheitsschädlichen Folgen erst viel später, weil die Veränderungen schleichend entstehen. Zudem werden Risiken und Nebenwirkungen von Frauenärzt*innen verharmlost. Etwa 80% der Frauen bekommen keinen Beipackzettel und können daher ihre Nebenwirkungen nicht zuordnen. (1)

Die Hormonspirale funktioniert ähnlich wie die Kupferspirale, nur dass sie anstatt Kupfer ein künstliches Hormon abgibt, das Gestagen Levonorgestrel (LNG). Einziger Hersteller ist die Firma Bayer und ihre Tochterfirma Jenapharm. Bereits seit 1995 auf dem Markt ist „Mirena®“, die 52 mg LNG enthält und 20 µg täglich in den Körper abgibt. Dazu kam 2013 die etwas kleinere „Jaydess®“ mit 13,5 mg LNG Gesamtgehalt und Abgabe von 10 µg täglich. Seit 2017 ist „Kyleena®“ erhältlich mit 19,5 mg LNG Gesamtgehalt und täglicher Abgabe von 17,5 µg. Jaydess® ist für drei Jahre konzipiert, Mirena® und Kyleena® für fünf Jahre.

Nebenwirkungen des Beipackzettels
Die im Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen zu Mirena® reichen von Akne bis Zysten.
Sehr häufig sind Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schmerzen im Becken, Veränderung des Blutungsmusters: verstärkte Blutung, zu seltene Monatsblutungen, verminderte Blutung, Ausbleiben der Monatsblutung, Schmierblutungen, Entzündung der Scheide und des äußeren Genitals, Ausfluss aus der Scheide.
Häufig treten auf: Depressive Stimmung, Depression, Migräne, Übelkeit, Nervosität, verringerter Geschlechtstrieb (Libido), Akne, übermäßiger Haarwuchs mit männlichen Verteilungsmuster, Rückenschmerzen, Eierstockzysten, schmerzhafte Monatsblutung, Brustschmerzen, Brustspannen, Ausstoßung der Mirena, Gewichtszunahme.
Gelegentliche Nebenwirkungen: Blähungen, Haarausfall, Juckreiz, Ekzeme, Verfärbung der Haut, verstärkte Pigmentierung der Haut, Entzündungen im Beckenbereich, Entzündungen der Schleimhaut des Gebärmutterhalses und der Gebärmutter, Verschlechterung des Papanicolaou-Abstrichs, Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme).

Nicht aufgeführt sind die psychischen Nebenwirkungen wie Panikattacken, Angstgefühle, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Unruhe, vor denen bereits 2009 im Ärzteblatt gewarnt wurde. (2)
Laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale klären 75% der Gynäkolog*innen lediglich ausreichend oder mangelhaft über hormonelle Verhütung auf. Deshalb können viele Frauen ihre Symptome nicht zuordnen.(3)

So bringen nicht wenige Frauen einen regelrechten Ärztemarathon hinter sich, bevor sie in Internetforen auf Leidensgenossinnen treffen und dabei oft zum ersten Mal erfahren, dass ihre gesundheitlichen Störungen Nebenwirkungen der Hormonspirale sind.
Viele Frauen berichten auch, dass ihre Gynäkolog*innen den Zusammenhang zwischen den – im Beipackzettel stehenden – Nebenwirkungen und der Hormonspirale abgestritten hätten. Sie ließen sich trotz starker Nebenwirkungen überreden, die Hormonspirale weitere Monate oder Jahre zu behalten.
Die Werbestrategien
Der Hersteller schreibt in seiner Werbebroschüre sie würde lediglich „lokal“ wirken und käme daher mit einer sehr niedrigen Dosierung aus.
Die angeblich „lokale“ Wirkung ist anatomisch nicht möglich. Dennoch sind sich viele Frauenärzt*innen nicht zu schade, dieses Werbeargument zu benutzen – entgegen jeder medizinischen Logik. Das Hormon ist bereits eine Stunde nach Einlage der Spirale im Blut nachweisbar...

(...)

Anmerkungen
(1) Umfrage in einer Facebookgruppe, an der ca. 200 Frauen teilnahmen
(2) Bundesärztekammer, Mitteilungen: Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft „Aus der UAW-Datenbank“, Psychiatrische Erkrankungen als unerwünschte Arzneimittelwirkung von Mirena®, Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe Mai 2009
(3) Verbraucherzentrale, Frauenärzte: Schlecht beraten in Sachen Verhütung. Hamburg Juli 2016

(Ende der Leseprobe)

 

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