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Die Schilddrüse

Vermittlerin zwischen Himmel und Erde, Kopf und Bauch

Autorin:
Birte Hinz, Heilpraktikerin, Chinesische Medizin und Pflanzenheilkunde

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 47
aus der Dokumentation vom Lachesis- Frauengesundheitskongress

Ming, die irdische Bestimmung, bezeichnet in der Chinesischen Medizin die Überzeugung, dass bei der Befruchtung das Shen, im weitesten Sinne der Geist, das Wesen erfasst und ihm einen himmlischen Auftrag für diese Welt mitgibt. Dieses „In die Welt bringen“ unseres, wie auch immer gearteten, Auftrages ist die eigentliche Aufgabe der Schilddrüse.

Die Schilddrüse ist ein besonderes Organ. Sie befindet sich zwischen Kopf und Rumpf im Hals und dient der Kommunikation zwischen geistigem Wollen und Verstand einerseits und den körperlichen und seelischen Bedürfnissen andererseits. Sie wärmt, und aktiviert die Organe, das Qi und den Stoffwechsel. Sie treibt an, beeinflusst die Fruchtbarkeit, öffnet die Poren und vieles mehr. Als Hormondrüse reagiert sie sensibel auf alle seelischen, mentalen und geistigen Einflüsse. Die Schilddrüse bekommt viele verschiedene Rückmeldungen vom Körper, welche sie zurück in den Kopf kommuniziert. Wichtig ist, dass sie das Geschehen vom Kopf, von oben nach unten in den Körper, dominiert. Das heißt, wenn der Körper Erschöpfung signalisiert, der Kopf aber entscheidet, nein, ich mach das noch zu Ende, ist die Schilddrüse gefragt, den Körper weiter zu aktivieren. Sie hilft, sich über körperliche Befindlichkeiten hinwegzusetzen. `Yang agiert und bewegt sich, Yin reagiert und folgt´, ist ein wichtiger Lehrsatz in der Chinesischen Medizin.
Wir leben in einer sehr yangisierten Welt. Vieles dreht sich nur ums Funktionieren, Machen und aktiv sein. Die Schilddrüse als Vermittlerin solcher Befehle kann mit Veränderungen oder Krankheit reagieren: Erschöpfung, Erhitzung und Vergrößerung.
Es gibt viele krank machende Einflüsse, aber in der Regel dominieren die seelischen Faktoren und entscheiden, ob ein Einfluss von außen greifen kann oder nicht.

Meridiane, die 6 Schichten, Yin und Yang
Meridiane oder auch Leitbahnen sind Energiebahnen, die in der Regel einem Organ zugeordnet werden und von diesem maßgeblich energetisch versorgt werden. Es wird zwischen Yin- und Yang-Meridianen unterschieden. Die Yang-Meridiane treffen sich im Kopf. Sie bringen Yang (die Himmelsenergie) von oben nach unten. Die Yin-Meridiane treffen sich im Rumpf bzw. Brustraum. Die Yin-Meridiane bringen Yin (die Erdenergie) von unten nach oben. Die 6 Schichten werden aus den Kombinationen der sich naheliegenden Anfangs- und Endpunkte der Meridiane gebildet und in ein kleines und großes Yin und Yang (Shao Yin, Shao Yang, Tai Yin, Tai Yang), in ein wiederkehrendes Yin (Jue Yin) und in ein leuchtendes Yang (Yang Ming) unterteilt.
Wenn Yin und Yang sich treffen, entsteht Leben. Gemeinsam beeinflussen sie die Grundlagen, wie das Leben gelebt werden kann. Je nach Konstitution sind verschiedene Meridiane und Organsysteme bei Erkrankungen besonders auffällig oder betroffen. Da alle Meridiane (incl. Du Mai und Ren Mai) den Hals mit inneren und äußeren Verläufen durchziehen, können sie bei Erkrankungen der Schilddrüse alle wichtig sein. Hier stelle ich nun sechs der Meridiantypen und zwei Schichttypen vor.

Die sechs Meridiantypen
Drei Yang-Meridiane
Gallenblasen-Meridian:

Kloß im Hals/Über- und Unterfunktion
Dieser Meridian bringt Yang vom Kopf runter zu den Füßen. Er streift, mit einem Seitenzweig, die äußeren Ränder der Schilddrüse. Fast die Hälfte der Leitbahn (mit 20 Punkten) versorgt energetisch den Kopf und hat somit eine besondere Bedeutung in der Umsetzung von Befehlen an den Körper.
Die Gallenblase reagiert auf Stress, Unwohlsein und Streit mit Anspannung und Ärger. Sie ist symbolisch der Fußsoldat, der die Befehle entgegen nimmt und den ersten Schritt tut. Können diese Schritte nicht getan werden, setzen sich Anspannung und Ärger fest. Der `Kloß im Hals´, den `Ärger schlucken´ und „einen dicken Hals haben“ sind Ausdrücke dieses Zustandes. Frustration schnürt die Gallenblase und den Hals ein und depressive Verstimmungen entstehen. Die Leute wirken gestaut, explosiv. Manchmal fühlen sich diese Patient*innen vordergründig sehr erschöpft. Bei der Stagnation zeigen sich meistens aufgerollte Zungenränder, die mehr oder weniger gerötet sind, mit roten Punkten oder seitlichen Längsfalten. Die Stimme ist genervt, durchaus kräftig und potenziell vorwurfsvoll, klagend. Diese Leute hadern mit ihrem Schicksal.
Gallenblasenpunkte helfen das klare Yang nach unten und ein gestautes Qi zum Fließen zu bringen, sowie Ärger zu kanalisieren.
Rezept 1: Qi-Stagnation im Hals mit Schleim und leichter Hitze

Magen-Meridian:
Vergrößerung, postpartale Unterfunktion und Überfunktion
Dieser Meridian entspringt unter den Augen und zieht über die Schilddrüse nach unten.
Der gesunde Magen hat ein gewisses Potential an Wärme, das Magenfeuer, welches für die Transformation der Nahrung wichtig ist. Er ist konservativ (nach meinem Magen kann ich die Uhr stellen) und liebt die materielle Welt. Er reagiert leicht mit Hitze, die durch erhitzende Ernährung oder emotionale Hitze verstärkt wird. Dann will er alles und davon möglichst viel. (Er entspricht dem Drachen mit großen Glubschaugen.) Eine Magen Hitze kann ein Zuviel an Feuchtigkeit eindicken und Schleim bilden. Essen wie ein Scheunendrescher wird symptomatisch: Alles wird verbrannt, die Leute haben Hunger, nehmen aber ab, die Schilddrüse vergrößert sich, um den scheinbaren Mangel auszugleichen.
Der Magen-Meridian ist auch zuständig für das Versorgen des Kindes nach der Geburt – er bringt Energie für die Milchbildung. Wenn das Stillen der Mutter zu viel Energie abverlangt, kann eine Vergrößerung der Schilddrüse entstehen.
Rezept 2: Magenfeuer
Rezept 3: Qi-Schwäche nach Geburt (mit Stillen)

(…)

(Ende der Leseprobe)

 

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