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Schamanismus und Rituale

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln im Heilen

Autorin:
Angelika Kotzur
Heilpraktikerin (HP)

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 39
mit dem Thema: "Indigene Heilweisen im Dialog"

Zum Thema "Heilen und heil werden" sich den Heilpraktiken indigener Ethnien zuzuwenden, bedeutet Sehnsucht nach den Wurzeln der Heiltraditionen: sowohl nach dem Ursprünglichem als auch nach Erweiterung der eigenen Grenzen – der Erweiterung dessen, was uns möglich erscheint im Kontext unserer kulturellen Prägung.
Hierher rührte wohl die Begeisterung, indigene Heilerinnen wie die Curanderas aus Chiapas einzuladen wie es zur LACHESIS-Fachtagung 2009 gelungen ist.
Der Transfer von einer Kultur in die andere Kultur gestaltete sich nicht so einfach wie sich schon bei der Organisation und dann im Laufe des gesamten Aufenthaltes als auch bei der Tagung zeigte. Die Lebenswelten sind doch sehr unterschiedlich und teilweise auch befremdlich.

Ich habe die Curanderas vier Tage durch verschiedene Tagesworkshops mit Hebammen und Heilerinnen begleitet, versuchte für den kulturellen Transfer Brücken in beide Richtungen zu bauen. Dieses war nicht immer leicht, sensibilisierte mich jedoch für bestimmte 'Problemzonen'.
Obwohl ich denke, dass sich die Curandera / indigene Heilerin Dona Rosa eher nicht als Schamanin bezeichnen würde, trägt ihre Arbeit doch sehr deutliche Spuren des Schamanismus. Ich möchte sogar behaupten, sie und ihre Arbeit erst auf dem Hintergrund des schamanischen Weltbildes nachvollziehen zu können. Vieles, was bei ihr deutlich in der magisch- mythischen Welt gebunden ist, ist im europäischen Bewusstsein in das Unterbewusste abgesunken und verursacht an unserer bewussten Oberfläche ein unbestimmtes Unbehagen.
Deshalb wage ich in diesem Artikel den Versuch, eine Brücke zum Verständnis dieser archaischen Welten zu schlagen. Sowohl Dona Rosa als auch wir hier im Westen stehen irgendwo zwischen den Welten, auf der Suche nach Halt, eigenen Wurzeln und einer heilerischen Identität.
Manche Leserin mag befremdlich auf Zuordnungen reagieren, die ich vornehme, zumal wir uns im Westen, v.a. in der frauenbewegten Welt, doch einige Formen ursprünglichen Lebens wieder angeeignet habe, die wir aber oft nicht dem Schamanismus zuordnen.

Schamanisches Weltbild
Es gibt keine einheitliche Definition von dem, was Schamanismus eigentlich ist.
Der Schamanismus ist keine Religion an sich – er ist ein totemistischer Kult, geboren in einer frühen Zeit, als das menschliche Bewusstsein sich noch in der Einheit und totalen Abhängigkeit von der Erde erfuhr.
Totemistisch bedeutet, dass alles, was ist, Träger einer bestimmten Energie, eines Ausdrucks des Geistes ist. Das aus den Algokin-Sprachen des südlichen Kanada stammende Wort "Totem", bedeutet Verwandtschaft, Familienabzeichen oder auch persönlicher Schutzgeist.
Der Schamanismus dient und diente dem Überleben des Einzelnen und dem der Gemeinschaft. Sowohl der Schamane als auch die Schamanin sind Mittler zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, zwischen der Welt der Form und der Welt der ungeformten Lebenskraft, zwischen der Welt des Bewussten und der Welt des Unbewussten. Magier, Priester, Heiler/innen und Hexen reisen in die Unterwelt und Oberwelt und holen die Schatten, sowie die universellen Geschenke des Lichts in die Alltagswelt.
In unserem Kulturraum war es die Hagazussa, die 'Zaunreiterin', die Hexe, welche zwischen den Welten auf dem Zaun reitet, in beiden Welten zu Hause ist und ihren Dienst tut.
[…]

Symbole im Schamanismus
Symbole sind Stellvertreter, Platzhalter. Diese Symbole sind nicht in allen Traditionen gleich – bemerkenswert sind die vielen Übereinstimmungen.
Symbole werden eingesetzt, um als Platzhalter für eine bestimmte Kraft zu stehen, die dann nicht durch Konzentration gehalten werden muss.
[…]

Glaube und Macht
Die indigene Heilerin Dona Rosa hat immer wieder betont: "Ohne Glaube geht nichts."
Durch den Glauben an die Kraft bekommt eine Handlung Macht. Macht wird durch Glauben und Wissen übertragen.
Wenn ich als Patientin glaube, dass dieser Gegenstand / diese Methode / diese Rezeptur ein mächtiges Werkzeug dieser Heiler/in ist, dann kann die Medizin ihrer Bestimmung gemäß wirken. Je tiefer ein/e Heiler/in an das glaubt, was sie/er tut, desto wirksamer ist die Medizin.
Es ist ein Phänomen, dem wir auch im Westen in der Heilkunde immer wieder begegnen können und das als 'Weißkittelphänomen' häufig ambivalent beschrieben wird. Aber auch die Wirkung eines Placebos kann auf diesen 'Mechanismus' zurückgeführt werden.
[…]

Rituale
Rituale werden gemacht, um Kräfte auszurichten und zu bündeln. Es gibt unterschiedlichste Rituale, welche aber immer bestimmten Regeln folgen. Diese Regeln wiederum sind abhängig von dem Erfahrungshintergrund der Praktizierenden und den Traditionen der Gemeinschaft.
[…]

Suche nach den eigenen Wurzeln oder Konsumsucht?
[…]

 

(Ende der Leseprobe)

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