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In unseren Zellen schwingt ein altes Lied

Traumasensitives Arbeiten in der Klassischen Homöopathie

Autorin:
Gudrun Barwig, Heilpraktikerin

Leseprobe aus der Lachesis-Zeitschrift Nr. 48
mit dem Thema „Transgenerationale Traumaweitergabe“

Eine spezifische Trauma-Ausbildung für Homöopath*innen gibt es bislang leider noch nicht. Was es in der klassischen Homöopathie jedoch schon immer gibt, ist das Erforschen der eigenen Biographie und der familiären Herkunft, der Anlagen, der Krankheitsweitergabe und der Miasmatik, d.h. die Idee der Epigenetik ist uns nicht fremd. Schwingungsmuster können weitergegeben werden, das können wir in jeder Familienanamnese sehen. Mit einem sensibilisierten Blick lässt sich in Zusammenarbeit mit der Patient*in häufig ein Traumahintergrund erkennen, der womöglich mehrere Generationen zurückreicht.
Bereits bei dieser Recherchearbeit erleben die Frauen häufig schon eine große Entlastung, weil sie endlich Zusammenhänge sehen können, die eigene Verhaltensmuster erklären.

„Dein Körper ist der Ort aller Erinnerungen, ein privilegierter Ort, Begegnung von Materie, Energie, Geist und Bewusstsein. Das ganze Universum ist in deinem Körper – dein Körper ist ein Tempel“ (mündl. Überlieferung aus dem Amazonasgebiet)

Transgenerative Traumatisierung – Epigenetik
Durch die Forschungen zur Epigenetik wissen wir, dass unsere Gene bzw. Teile unseres Gehirns (Hippocampus, Amygdala) Erinnerungsspeicher für Traumatisierung und Stress auch aus vorherigen Generationen bilden. In unseren Zellen ist alles gespeichert. Das können wir auch Körpererinnerung oder -gedächtnis nennen. Dabei ist es wichtig, deutlich zu machen, dass es nicht nur die Schrecken sind, die wir gespeichert haben, sondern auch all unsere Kompetenzen, das alte Wissen unserer Ahn*innen und unsere persönlichen Besonderheiten, die wir bekommen haben.
Unser Lied ist 15 Millionen Jahre alt.

Um unsere Patient*innen gut zu verstehen, müssen verschiedene Aspekte generationsübergreifender Erfahrungen erfragt und berücksichtigt werden:

Kulturelle Wurzeln
Im Schamanismus wird davon ausgegangen, dass die letzten 7 Generationen unserer Herkunftsfamilie aktiv in uns wirken. Diese letzten 200 Jahre unserer Geschichte sind geprägt von Nöten, Epidemien, Armut, Unterdrückung, Ausbeutung, Kriegen, Verfolgung und Migration. So ist die eigene familiäre Biographie immer Teil der gesellschaftlichen Themen dieser Zeit. Viele Erfahrungen (und auch Traumatisierungen) sind kollektiv geprägt. Deshalb ist es wichtig, den geschichtlich-kulturellen Kontext unserer Patient*innen zu kennen. Dies gilt vor allem auch dann, wenn wir mit Menschen aus anderen Kulturkreisen arbeiten.
Auf unsere eigenen Wurzeln bezogen bedeutet das, dass wir die jüngere deutsche Geschichte kennen sollten. So macht es einen großen Unterschied, ob eine in der DDR oder BRD sozialisiert ist, wie eine das Gesellschaftssystem erlebt hat, was die „Wende“ ausgelöst hat. Welche Geschichte bringen die Eltern und Großeltern bezüglich zweitem Weltkrieg und dem Nationalsozialismus mit? Gibt es Erfahrungen zu Flucht, Vertreibung, Entwurzelung, Enteignung oder zu direkter Kriegsbeteiligung; zu Bombardierungen, Kampfhandlungen oder Holocaust; zu Hunger, Verfolgung, Gewalt oder Übergriffen? Wie gingen die jeweiligen Herkunftsfamilien mit den Themen um? Welche Glaubenssätze gibt es?
Die familiären Wurzeln der Eltern- und Großelterngenration sind meist noch relativ gut erforschbar. Schwieriger wird es bei den früheren Generationen, dafür ist geschichtliches Wissen von großem Vorteil.

Spezifisch deutsche Wurzeln
Schwere Traumatisierungen haben fast alle unsere Vorfahren durch den Nationalsozialismus, den zweiten Weltkrieg und seine Folgen erlebt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Täter*innen, Opfer oder Zeug*innen geht. Durch Tabuisierung und funktionieren müssen in den Nachkriegsjahren haben sich die Traumata in den Zellen tief eingespeichert: bei unseren Vorfahren ebenso wie bei uns selbst.

(…)

(Ende der Leseprobe)

 

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