Eva Maack – Ayurveda & Endometriose

Interview Eva Maack

Interviewreihe zur Sommertagung 2026 zum Thema Endometriose


Endometriose aus ayurvedischer Sicht
Im schriftlichen Interview nach der Sommertagung gibt Eva Maack Einblicke in den ayurvedischen Blick auf Endometriose. Ayurveda versteht die Erkrankung nicht isoliert als gynäkologisches Geschehen, sondern betrachtet die Zusammenhänge von Verdauung, Stoffwechsel, Hormonsystem, Psyche und Lebensweise.
Eva Maack erläutert, welche Rolle die Doshas spielen, warum Ernährung und Lebensstil eine wichtige Säule der Behandlung sind und welche einfachen Impulse Therapeutinnen unmittelbar in ihre Arbeit einbeziehen können.

Wie betrachtet der Ayurveda Endometriose – unterscheidet sich das von unserem westlichen Verständnis?
„Ayurveda betrachtet Endometriose als eine systemische Erkrankung, die bei Vata- und Pitta-Konstitutionen (auch vergleichbar mit der genetischen Disposition) häufiger auftritt. Energetische Blockaden, Dosha-Erhöhungen (auch ausgelöst durch Traumata, Ernährung, Lebensstil, Umwelteinflüsse), (Endo)toxine (Ama), Veränderung der Blut- und Menstruationsblutsubstanz und damit verbundene Stoffwechsel- und Hormondysbalancen sind hier ursächlich.
Ayurveda weiß um die Komplexität der Erkrankung Endometriose, die bei jeder Frau je nach Dosha-Balance individuell ganz unterschiedlich verlaufen kann. Der ayurvedische Blick auf die Erkrankung (die im Ayurveda mehrere Namen & Beschreibungen hat) ist im Gegensatz zur westlichen Medizin ein individualisierter. Man weiß hier um die komplexen Zusammenhänge zwischen Verdauung, Stoffwechsel, Hormonsystem und Psyche, die in der westlichen Medizin gerade erst begonnen werden, erforscht zu werden.
Es würde sehr viel Sinn machen, ayurvedisches Wissen in die westliche Grundlagenforschung zur Endometriose miteinzubeziehen. Ayurveda kannte bereits sehr früh Viren & Bakterien, die Darm-Hirn-Achse und viele weitere systemische & psychosomatische Zusammenhänge. Endometriose ist aus ayurvedischer Sicht keine gynäkologische, sondern eine systemische Erkrankung, die im Frühstadium noch heilbar und im chronischen Stadium linderbar ist.“

„Endometriose ist aus ayurvedischer Sicht keine gynäkologische, sondern eine systemische Erkrankung.“

Welche Dosha-Ungleichgewichte stehen häufig im Zusammenhang mit Endometriose?
„Bei Endometriose sind zumeist alle Doshas involviert, wobei am Beginn dieser Erkrankung immer eine Vata-Störung steht, zumeist bedingt durch Genetik, Stress oder Traumata. Hinzu kommt eine sekundäre Pitta- und Kapha-Erhöhung sowie ein dysbalancierter Stoffwechsel (Agni). Je nach Symptomatik wird dann durch eine ayurvedische Diagnostik geklärt, welche Dosha-Ungleichgewichte individuell vorliegen.“

Welche Rolle spielen Ernährung und Lebensstil konkret in der Behandlung?
„Ernährung und Lebensstil spielen eine sehr wichtige Rolle bei der Behandlung, da sie zusammen mit Kräutergaben & Psychotherapie zu Beginn der Erkrankung die wirksamste Behandlung darstellen. Durch gezielte individuelle Dosha- und stoffwechselangepasste Ernährung, Yogaübungen und Tagesroutinen können Schmerzen gelindert und der Zyklus stabilisiert werden.
Es gibt im Ayurveda Regeln für das Verhalten während der Menstruation, die klar für einen Periodenurlaub für Frauen sprechen. Denn gerade die Möglichkeit von Ruhe und Rückzug während der Menstruation ist wesentlich, um das Vata-Dosha (welches bei der Auslösung von Endometriose eine wesentliche Rolle spielt) zu beruhigen.
Ist die Krankheit bereits sehr weit fortgeschritten, sind mehrwöchige, jährlich wiederholte Panchakarmakuren notwendig. Hier können in Ruhe neue Ernährungs- und Lebensstilgewohnheiten jenseits vom eigenen Alltag geübt werden.“

Was ist ein einfacher ayurvedischer Impuls, den jede Therapeutin sofort nutzen kann?
Frauen den Ratschlag erteilen, keine Tampons zu benutzen sowie keine Körperdränge zu unterdrücken (Stuhlgang, Harndrang, Niesen, Weinen und viele weitere Vorgänge, die Sekrete und Luft aus dem Körper befördern). Unterdrückung bewirkt eine umgekehrte Bewegung des Unterleibs-Vata (Apana-Vata), was einen Anfangspunkt für Endometriose darstellt. Hinzu kommt der ganz simple Tipp, warm zu essen, insbesondere während der Menstruation.“

Für welche Patientinnen ist dein Ansatz besonders hilfreich?
„Sehr hilfreich ist der Ansatz vor allem für ganz junge Frauen, bei denen sich in der Pubertät bereits starke Menstruationsschmerzen mit Übelkeit (und ersten Gewebsveränderungen) zeigen. Hier kann eine konsequente Ernährungsumstellung und Lebensführung in Verbindung mit Psychotherapie und Kräutergaben bereits in einem frühen Stadium zu einer Linderung der Schmerzen und im besten Falle sogar zu einer Umkehrung des Krankheitsprozesses führen.
Die ayurvedische Behandlung zeigt gute Resultate in der Behandlung von Endometriose, Zyklusregulation und Schmerzen. Voraussetzung dafür ist ein starkes Commitment, sich längerfristig therapeutisch begleiten zu lassen und die Tipps im Alltag umzusetzen. Sehr gute Chancen haben hier Pitta-dominante Konstitutionen, die bekannt für ihre Konsequenz und ihren Fokus sind.“

Die Referentin
Eva Maack ist seit 20 Jahren Heilpraktikerin, Ayurvedamedizinerin und Kulturwissenschaftlerin.
Sie arbeitet in ihrer Praxis FLOW O VEDA.